19» Predigt am andern Sonntage nach Ostern.
Denn das ist das größte, so natürlich das Leiden schwer und denMenschen ungeduldig machet, so ihm nicht allein Gewalt und Un-recht geschieht, und unverdient leidet, sondern dazu solche über-machte Unbilligkeit sehen muß, daß ihm die Leute, denen er nuralles Gutes und Höheste Wohlthat erzeiget, so böslich und übeldancken. Solche schandliche Undanckbarkeit thut der Natur überdie Maafsen wehe, und macht das Hertz und Blut wallen, daßsich es gerne wollte rächen, und ansähet, heraus zu schäumen(wo es nicht mehr kann) mit Wiederschelten, Fluchen und Dräuenw. Denn Fleisch und Blut kann sich nicht so weit überwinden,daß es sollte für alle Wohlthat und Gutes nichts, denn eitel Bö-ses nehmen, und noch dazu stillschweigen und veo Arstias sagen.Aber hiegegen siehe doch diß Exempel an, und lerne von Christodich selbst strafen. Lieber, was willst du doch klagen, so du stehest,wie weit viel grösseres, schwerers und ärgers deinem lieben Herrnund treuen Heiland, Gottes Sohn selbst, widerfahren ist, und erdoch alles nicht allein mit Geduld und stillschweigend gelitten, son-dern auch für die, so ihm solches thaten, gebeten hat. O, werwollte hier nicht vor ihm selbst schamroth werden, so anders einChristlicher Blutstropssen in seinem Hertzen bleibet, in seinemLeiden zu murren, so er doch vor Gott voller Sünden ist undviel grösseres verdient hat? Ein heilloser, untüchtiger, verdamm-ter Knecht, der hier seinem Herrn nicht will folgen, und sich laßtedler und besser düncken, und feindlich zürnet und klagt, es ge-schehe ihm groß Unrecht, das er doch wohl verdienet, noch vielweniger leidet, denn sein lieber, frommer, unschuldiger Herr.Lieber, hat Er solches müssen leiden für seine höchste Wohlthat,so laß es dir nicht faul thun, daß du auch ein klein Stück solchesLeidens ihm nachtragest, und nicht darum zürnest, noch wieder-scheltest, dazu du auch viel weniger Ursache hast, weil du auchselbst der einer gewesen bist, der mit seinen Sünden Christumans Creutz gebracht hat. Weiter spricht St. Petrus:
Er stellets aber dem heim, der da recht richtet.
Hier spricht St. Petrus von Christo: Er stellete die Sachedem heim, der da recht richtet. Wie soll er anders thun? Soer weiß, daß sie ihm Unrecht thun, und wollen dazu recht gehan-delt haben, und hier kein Richter auf Erden ist: so muß er eswohl seinem himmlischen Vater, dem rechten Richter, lassen be-fohlen seyn; denn er sähe wohl, daß die Sünde und Lästerungnicht würde ungestraft bleiben, ja, daß schon das Urtheil beschlos-sen, das Schwerin geschärft, und den Engeln befohlen war, Je-