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Gedanken der Frau Fürstin Constantia von Salm : aus dem Franz.
Entstehung
Seite
11
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so.

Die Andächtelei ist eine unwillkührliche Wirkungdes Bedürfnisses, in sich Fehlern, selbst Lastern,von denen man sich nicht genug Rechenschaft gibt,die man sich aber zu schwach fühlt ohne fremdeHilfe zu bekämpfen, eine starke Schranke entgegenzu setzen. In diesem Falle nimmt sie einen hef-tigen Charakter an und ist um so intoleranter,da sie erbittert ist, gegen sich selbst keine Toleranzzu üben. Die wahre Andacht ist etwas ganzanders: sie ist nur das Bedürfnis einer zartenund aufstrebenden Seele, für welche die mensch-lichen Affektionen gewisser Maasen zu sinnlichsind; sie hat nichts zu bekämpfen, sich nichts zuversagen; sie hat kein Gleichgewicht herzustellenzwischen dem Trieb zum Bosen und der Liebe desGuten; sie zergeht, so zu sageu, in dem Bedürf-nis zu lieben, der Sanftheit und dem Reize derEmpfindungen, und sie macht den Menschen unauf-hörlich besser und nachsichtiger.

Kurz, die eine ist die Quelle des Fanatismusund aller seiner Ausschweifungen, die andre derNächstenliebe und aller Tugenden.