790
Beilagen.
für Deutschland ansehe, den Bund in Frankfurt auch mit Meinemjetzigen Ministerio aufrecht zu erhalten. Ich habe Mein grösstesZutrauen in Oestreich, und es ist Mein fester Entschluss, und soviel wie meine Kräfte es erlauben, Beweise hiervon zu geben;aber Meine geographische Lage erfordert von Mir grosse Vorsichtin Allem, was ich thue, um der Hegemonie von Preussen ent-gegenzutreten, welche — Mir klar wie der Tag — ist sein einzigesObject. Ich bin von der alten Schule und habe immer angesehenOestreich als die erste Macht in Deutschland und kann dieseMeinung nicht ändern. Meine Lage ist sehr schwer, und umIhnen, lieber Fürst, einen wahren Beweis der AufrichtigkeitMeiner Meinungen und Gefühle zu geben, schicke Ich Ihnen denvormaligen Finanzdirector Grafen Kielmansegg, von dem Siewissen, dass er eben so conservativ ist, als ich es wahrlich bin,und der auch östreichisch gesinnt ist, um Ihnen klar meine Lageund die Meines Landes zu expliciren; denn es ist unmöglich diesezu schildern in einem Briefe, und da Ich kann Mich völlig aufseine treue Anhänglichkeit verlassen, so habe Ich ihm aufgetragen,ohne Rückhalt Sie völlig in Kenntniss zu setzen von Allem, washier geschehen ist, und der schweren Aufgabe, die Ich habe undgehabt habe, wegen einer etwaigen Aufstellung von Truppen.Gott gebe, dass Sie haben in Warschau es möglich machenkönnen, Preussen von seinen verrückten Ansichten und Praeten-sionen abzubringen, welche scheinen Mir noch toller zu werden,indem der General Radowitz ist Minister geworden. Mein jetzigesMinisterium ist sicherlich mehr conservativ wie das letzte, undIch hoffe, dass nach und nach wir werden im Stande sein, dieSachen zu modificiren, aber dieses kann nur nach und nach ge-schehen, denn nie ist es Meine Absicht gewesen, je etwas zuthun, ohne dass es gesetzmässig geschieht. Sie kennen die Recht-lichkeit, Ehrlichkeit und Geschicklichkeit des jetzigen Ministersvon Münchhausen, und an dem allein bin ich schuldig, diesesMinisterium endlich formirt zu haben. Da ich seit einigen Jahrentäglich mit ihm gearbeitet habe, so kann Ich in Wahrheit ihn nurloben für seine Geschicklichkeit, Redlichkeit und Treue an MeinePerson, und keinen klareren Beweis konnte er hiervon geben, alsseine Aufopferung in diesem wichtigen Augenblicke. Ich habedem Grafen Kielmansegg befohlen, Ihnen nichts zurückzuhalten,sondern alles, was Sie ihn fragen, zu beantworten, da mein