Druckschrift 
Familien-Chronik der Herren, Freiherren und Grafen von Kielmansegg
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290

III. Die Grafen von Kielmansegg

und Hollsteinischen Ritterschaft und Wittfrauen“ von 1664 1 )wird er unter „Ihr Hochfürstl. Durchl. Bediente zu Gottorf“ anerster Stelle folgendermaßen aufgeführt: „Hr. Präsident JohanAdolff Kiellman, Hoff-Marschall mit der Frauen“.

Halten wir gleich an dieser Stelle fest, daß im Jahre 1660in Dänemark ein völliger Umschwung aller Verhältnisse ein-getreten war. Unter der Herrschaft der Stände hatte es nachdem Kriege mit Schweden diesem bedeutende Gebietsabtretungenmachen müssen und hatte die Lehenshoheit über Schleswig-Holstein-Gottorf verloren. Deshalb hatten sich Geistlichkeitund Bürgerschaft, der Adelsherrschaft müde, miteinander ver-bunden und übertrugen auf dem zu Kopenhagen am 8. Sep-tember 1660 eröffneten Reichstage dem Könige das volle Erb-recht in der Monarchie und überließen ihm eine neue Reichs-verfassung festzustellen. Am 10. Oktober wurde Friedrich III.als erblichem König feierlich gehuldigt, der seinen Kanzlei-sekretär, Archivar und Bibliothekar, Peter Schumacher 2 ),mit der Ausarbeitung der Verfassung betraute. Diese, das so-genannte Königsgesetz, trat am 14. November 1665 in Kraft.Nach Einführung dieses Gesetzes wurde sein Verfasser Schu-macher zum leitenden Minister ernannt, der nun nach demBeispiele Richelieus die absolute Monarchie ausbildete undderartigen allein maßgebenden Einfluß gewann, daß er alleStaatsgeschäfte in seiner Hand vereinigte, 1671 zum Grafenvon Griffenfeldt und 1673 zum Großkanzler und Ritter desElefantenordens erhoben wurde.

Damit aber war Johann Adolf ein neuer ebenso geschickterals gefährlicher Gegner erwachsen, der von allem Anfänge seiner

b Veröffentlicht in der Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, XXXII. Band, Kiel 1902, S. 221.

-) Schumacher, geboren 1635 als Sohn eines Weinhändlers in Kopen-hagen, war bis März 1676 an der Gewalt. Damals hatte die ihm natur-gemäß feindselige Adelspartei die Anschuldigung des Verrats und derBestechlichkeit wider ihn erhoben. Er wurde verhaftet, zum Tode ver-urteilt, am Schaffot begnadigt, schmachtete dann 22 Jahre im Kerker undstarb 1699, wenige Wochen nach seiner Freilassung.