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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
Seite
782
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782. Des Europäischen Herolds erste Haupt-Handlung

ben. Allem die Stände mcümrten auf denKayserlichen schon hiebevor evenwaluer ge-wehlten Printzen/ und ließen sich des Pabstsoffenbahren haß wider dieGibelliner nicht ab-halten. Dieser Raxser Friedrich der üpflantzte seinem jungen Herrlein die feindschafftwider den Pabst öffentlich ein/ schriebe an diegekrönten Häupter und sandte circular-bnese andie Fürsten / und verbot dem Pabste/ daß ersich ja nicht ferner anmaßen möchte/ einenKayser ein-oder abzusetzen/ der Römischen kir-chen gab er doch nichts desto weniger viel frey-heiten/ und ci,llirte alle briefe und diplomata/welche diesem entgegen wären. Das origi-nal dieses grossen gnaden-briefs soll noch imVsticano seyn/ es halffaber so viel als es konte/der Pabstsuhr mitdemkirchen-bannzu. DerKayser lieferte iivooc» untzen gold vor diedem kirchen-staat zugefügte schäden / es waraber nicht gnug/die Ertz-Bischöffe zu Maynyund Trier vollstreckten des Pabsts willen/ undLandgraf Heinrich in Thüringen/' wider seinen willen und danck/ die Kayserlichewürde annehmen / sich mit dem KayserlichenPrintzen darüber herum schlagen/ und endlichgar vergehen / ehe er zu Aackendie crone em-pfieng.

Verfall der Der Vorsatz stunde einmahl bey dem Pab-^ Gibelliner musten vom throne/da doch der Kayser zehen erben hatte/ gleich-wohl wolte sich kein Reichs - Fürst zu anneh-mung der beschwerlichen bürde bewegen las-sen/ auch Heryog Heinrich von Lotharin-gen und Äraband nicht/ dieser recommenckr-Gr.WMlm te aber seinen Vetter GraftBilhelm von Hol-«us Holland / welcher die lücke büßen solte. So weitwar die Majestät des Reichs dermalsten herabgesetzt worden. Pabst innocemms schickte denketrum Caputium in Teutschland diesen Gra-fen zu pvrtiren/ und die Fürsten musten sichsgefallen lassen / daß er noch sehr jung war/undordneten ihme drey Vormünder.

Durch die Heyrath mit princeßm Elisa-bethen/ Heryog Ottens zu Vraunschweigtochter/ suchte er sich in große freundschafft undliebe bey dem Reiche zu setzen.skgieMttt So kurtze zeit als er regieret hat / und sobey eines . unruhig Und verwirrt der zustand damahls innung. Teutschland war/ ist doch löblich/ daß A. 1249unter seinem zeprer der proceß rcgüret worden/wie es bey eines Teutschen Königs conkera-Elender M tion und krönung gehalten werden sollen. Was!rossett"me?^^^' ei" iwuz zur zeit des großen interregni^'gewesen ist leicht zu ermessen/da alles drunterund drüber gegangen/ und da weder recht/noch liebe/ noch billigkeit/ noch ordnung in derverderblichen Anarchia zu finden war. Diemächtigsten Fürsten hatten lmperü, jeder«lomimrte in seinem lande und kreise/ so gut erwolte/ unterdruckte die minores 8tatus, raub/Plünderung und gewalt giengen vor recht/ undAnfang der hatten die oberhand. Man machte zu Oved-linburg ein decret/ daß die mächtigsten Für-' sten (denen es fast beqvem fiele/ keinen Kay-ser zum ober-Haupte zuhaben/ und mit derzeit einen solchen ttswm, wie ihn der Klomam-bano beschreibt / zu behaupten) regieren/ undweil es bißher mit denen Kaysern ihnen so un-glücklich sangen/ keinen neuen wehten sel-

ten. Der Höchste wolte aber doch die Kay-serl. würde aufTeutschland erhalten / und re-gierte das werck dahin/ daß sie zu sich selbstkamen/ laiutem communem wieder auf-richteten/ und den alten katum publicum, undunbeschadet der Stände hohen gerechtsa-me wieder empor zu heben/folglichImperii aufeine Person zu bringen relolvirten.

Graf Rudolph von Habsburg / welchenKayse^GOtt und die natur zuCronen und der Höch-^Ä/sten würde ausersehen/ wnrde von Thür.Mayny Graf U)ernern von Falckensteinzu solchem ende vorgeschlagen/und sofort vonCölln und Trier beliebt: Zwar käme in co».llciel-stmn, das zerrüttete Reich braucht^ einenmächtigen und ansehnlichen Herrn / Chur-Mayntz aber strich die tapfferkeit und weißheitvor der grossen macht dermaßen beredtsamlichheraus / daß Bayern und Sachsen/ welchenman mit hcyrathen der schönen tochter desneuen Kayscrs üattirte / die vota auch dahinwendeten.

Wie die sonne bey ihrem auffgange die Teutschlandnacht-eulen und raub-vögel verscheucht; also^tlvie-'zerstreuete und zerstörete dieses Herrn tapffer-'' ^keit und ansehen die raubschlössir/ und brachtedem vaterlande ruhe und sicherheil / durchscharffe strafen und annehmliche belohnun-gen. Der Harteste widerstand war bey denentNarckgrasen von Baden/ und Grafen vonN)ürtelnberg / welche einen grossen Adel/und die meisten städte in Schwaben und El-saß an sich bracht / und solche Reichs-gmerdem Reiche nicht gütlich wiedergeben wollen.Sie wurden aber doch auch gedemüthiget/^dsswund der Kayser risse hiernechst auch den brand einigesaus dem ftuer / nemlich das recht der paniß- «chmz.briefe oder jus primariarumprecumund etwasvon der bestellung derBischösse aus des PabstsHänden. Wie er Rönig Ottogarn in Böh-men die Majestät des Reichs mit Nachdruckfühlen lassen / und auf dem Reichstage zuNürnberg bemühetwar/ das Reich zur vori-gen Integrität/würde und Hoheit zu ergäntzen/ist aus denen geschichten so wohl erinnerlich/alsauch unverneinlich/ daß der Pabst und gantzItalien vor ihme gezittert/ ob er gleich keinenRomzug genommen z der Pabst invieirte ihnzwar zweymahl darzu/ die Crone zu holen/in-massen er der Kayser auch geschworen hatte/selbige zu empfahen ; Er sagte aber: IchDas?eut-bin Rayser und Röntg / und hoffe mein^!besteregiment rechtschaffen zuführen / wenn w ohne ^ich gleich vom pabste nicht gekrönet bin.^rsi,',.Ist der ansang zu der gewohnheit / welcheÄaxser Maximilian I, Zerdmand l undfolgende glorwürdigste Kayser beobachtet/nemlich das allergeehrteste Oberhaupt desReichsund der Christenheit zu seyn/wenngleich der Pabst mit seiner Römischen Cronenicht dazu kommt. Darinnen erwiese erzwarein groß pouvoir, daß er die Kayserlichenstädte in Italien gegen grosse geld-summen obfrey gesprochen/ und an demLxarellst in die-^ Reichefem lande verziehtgethan/auch ein fast schlmpsiwas We-lsch ckpwma A. 1279 unterschrieben. Damit ^hat er aber auch dem Reiche sehr geschadet/und können und wollen gute Ternsche Patrio-ten noch nicht verdauen/oder zugeben/daß des

Reichs