richtiger Junge war ich wohl auch, und bis zu meinem zwölften Jahr störte nichtsmeinen Frohsinn, als die vielen zerrissenen Schürzen lind Kleider, oder vielmehr dieStrafeil, die ich dafür von meiner Knitter erhielt. Tine wundervolle, fröhliche Rinder-und Jugendzeit haben wir gehabt. Nach mir kam noch eine Schwester, dann dreiBrüder; später kamen dann viele freunde und Freundinnen hinzu und in den Serienzahlreiche vettern und Nasen. Air alle war Konzendorf Eldorado. Iii seinen Lebens-erinnerungen spricht Werner von Siemens mit gleicher Begeisterung von seine» inWenzendorf verlebten Jugendjahren. Unsere sorglose Jugendsreude hatte indessen plötz-lich ein Tnde, als am Z. Dezember l87Z unser lieber, guter, immer zärtlicher Vater amHerzschlag starb. Nachmittags V/s Uhr in kalter, trüber Winterdämmerung fandenihn unsere Leute tot aus dem Heide, 5 Klinuteu vom Dause. Ich war zuerst bei derdeiche, die ruhig hingestreckt aus der Trde lag, uud bis heute ist der Kugenbliek derschwerste meines Lebens. Durch Schuld von Hreunden und verwandten, denen meineKlutter vertraute, verlor sie deu gröszteu Teil ihres nicht unbeträchllichsn vernlögeils,und im Winter l88D zog sie mit meinen beiden Schwestern nach Lübeck.
Ich war seit Derbst l877 iil Kloers, bei meinen nachherigen Schwiegereltern,als Gesellschafterin und Dülse im Daushalt. Hür Z Töchter schien mir zu Dauseuicht lllrbeit genug, auch lockte mich wohl der Rhein, den ich aus eiuer Reise nachKreuznach mit meiner Klutter im Jahre l8?l kennen gelernt hatte. Kleine HreundinHrisda Tonradi, jetzt die Hrau meines Schwagers Deiurich Wintgeus in London,war dort ineine Vorgängerin. Im Derbst l8?9 kam mein Klann ins Daus seinerTltern zurück, und am Dimmelsahrtstag, den 6. Klai ^880 verlobte ich inich init ihm.Im November desselben Jahres ging ich zu meiner Klutter uach Lübeck; dort heiratetemeine älteste Schwester im Januar l88l. und meine jüngere im August l88ö. Kleinältester Bruder war Landwirt, jetzt Mchter in Lanken in Lauenburg. Der zweite, dermit großer Unlust Kausmauu wurde, giug l88Z erst nach Wien, dann später nachsdort Said; heute ist er jdolizei-Klajor in Alexandrien. Der jüngste wurde auch Land-wirt; er starb am 9. Oktober O00 an den Holgen einer Blinddarmentzündung. Bach4 jähriger, oft recht schwerer Wartezeit war am W. Juni ^884 unsere chochzeit inLübeck, die Trauung in der alten wunderschönen Klarienkirche, die sehr vergnügteHeier aus der Lachsushr, eiuem Dotel nnt großem, Hübschein Garten. Bach wunder-vollen Ivochen im Berner Oberland kamen wir am l6. Juli nach Kloers in unsereigenes Denn.
Am 9. April l885 wurde unser erstes Kindchen Lilli geboren und am 8. Aprill886 unsere Tochter Tlse. Ich war eine glückliche Klutter, uud als Lilli zu kränkelnbegann und am Z. Oktober ^886 nach langen, schrecklichen Tagen der Sorge undAusregung starb, glaubte ich, es uicht überleben zu können.