Grwerb würbe niemals geringer gejchäfet unö bie Stetigkeit einer ruhigen bürgerlichen oberbäuerlichen Cebensweije war bem Volke in bebenklichem (Dafee abfeanben gekommen. Jeber*mann jtrebte nur nach grofeenr Solb unb reicher Beute.
Schon 1481 jtanben wohl nicht weniger als 20 000 Rnectfee im Dienjte auswärtigerßerren, bei Cubwig XI., bei (Daximilian, beim Papjte, bei ben F5er3ogen von (Dailanb ujw.Viele jähen ihre Beimat nidjt wieber; jie kamen im Rampfe um ober fee würben von Rrank*heiten im Selbe bafeingerafft. Diejenigen aber, welche heimkehrten, waren ber Arbeit entwöhnt;hatten fie reichen Solb in ber Gajche, jo 3ogen fie lieberlich im Canbe herum, verprafeten unbverjpielten ihr Gelb in ben Wirtshäufern unb führten einen unjittlichen Cebenswanbel mitDirnen ober leichtjinnigen Srauen. Da hörte man nichts als fluchen unb Schwören, Cäjternunb Bebrohen ber Obrigkeit, Schimpfen unb Streiten, Stechen unb Degen3Ücken, Unfugtreiben bei £0113 unb (Daskeraben auf ben Grink* unb Schüt3enjtuben unb 31m Dacht3eit aufber Strafee. Gin wilbes, unge3Ügeltes Greiben war an ber Gagesorbnung unb ging burchalle Rreije ber Bevölkerung, auch burch biejenigen ber jogenannten „guten Gef eil jehaft “.
Alle Gejefee unb Verorbnungen gegen bas Reislaufen halfen nichts ober hoch nur wenigunb vorübergehenb. Die jtrengjten Strafbejtimmungen waren nicht imftanbe, bas Übel ein3u=bämmen. Oft waren auch bie Obrigkeiten gar nicht in ber Cage, ben Verboten Hochachtung3U verjehaffen, weil bie Ratsglieber jelber von fremben fürjten „(Diet unb Gaben“, jogenanntePenfionen, annahmen unb fich baburch 311 (Ditjchulbigen an Übeljtänben machten, welche fiebekämpfen jollten. Da war es nicht 3U verwunbern, wenn bie Reislaufverbote nichts fruchteten,wenn bie hoben Bufeen unb Gefängnisjtrafen, mit welchen bie Reisläufer bejtraft würben,wirkungslos blieben. Vergeblich richteten fich bejonbers jefearfe (Dafenahmen gegen bie „Auf*wiegier“, bie \Verbe0ffi3iere, welchen ihre unheilvolle Tätigkeit bei Strafe an „Ceben, Ceibunb Gut“ unterjagt würbe. Grofe allem würbe bie Werbetrommel gerührt unb bie Rnecbte,bie kecken frijehen Jünglinge, liefen in Scharen hm3U.
3 u jener 3 eit mufete auch bie Gibgenojjenjchaft bie Crfahrung machen, bafe tiefwurgelnbeÜbeljtänbe unb jchlechte Sitten nicht burch Gejefee unb Verorbnungen allein gebejjert werbenkönnen. Wohl kämpften namentlich in ben erjten De3ennien bes jech3ehnten Jahrhunbertseine Reihe trefflicher Staatsmänner mit allen Rräften gegen Penjionenwejen unb Reislaufenan, weil fie bie jehweren jittlichen unb ökonomijehen folgen, welche baraus hervorgingen,erkannten unb 3U ber Ginjicht gelangt waren, bafe eine längere fortbauer ber verberblidjen3 ujtänbe bas Volk 311m gän3Üchen Ruine führen würbe. Gine ßeilung ber allgemeinenRrankheit konnte nur bewirkt werben burch eine religiös=jittliche Reform, burch bie Begrün*bung einer ernjteren, bie Gejinnung bes gan3en Volkes wanbelnben, chrijtlichen Cebensauf*fajjung. Sie würbe bem 3Ürcberijcben Volke gebracht bureb bie Reformation von Rircbe unb Staatunb bureb ben (Dann, ber fie 3ielbewufet unb kraftvoll burebfübrte, burch Ulrich 3 wingli.
Wie bereits angebeutet, waren bie erjten Generationen ber familie Rabn echte Söhneber 3 eit, bie eben in knappen 3 ügen gejebilbert worben ijt, bereu Hiebt* unb Scbattenjeitenjie in ihrem Gun unb Greiben beutlicb erkennen lajjen. Wenn fie es auch nicht jo buntgetrieben haben, wie etwa bie beiben Briiber Beinricb unb Bans Walbmann, jo haben jieboeb vielfache Spuren in ben Rats* unb Ricbtbiicbern, ben Gericbtsprotokollen jener 3 eit,binterlajjen. Gin feuriges kriegerijebes Blut rollte in ihren Abern unb ihr Gatenbrang triebjie hinaus in bie Beere, welche bei Dovara, Dijon, (Darignano unb Pavia kämpften. Viervon ben fünf Brübern, weldoe um bas Jahr 1500 am Ceben waren, fanben friihäeitig, 3umGeil in ber Blüte ber Jugenb, ben Gob; nur ber Jüngjte erlebte bas (Dorgenrot einer neuenbejjeren 3 eit, welches auch ihn erleuchtete unb einem neuen Ceben 3ufiibrte. Gr würbe bereigentliche Stammvater ber familie Rahn.