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1 (1914)
Entstehung
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aud) in England, Frankreich und anbern europäijchen Staaten; ja jogar in Hordamerika wirdgenealogijcßen Fragen lebhaftes Interejje 3ugewenbet.

Waren es früher meijt alte Adelsgejd)led)ter, beren 6ejd)id)te bearbeitet würbe, jo jindin ben lebten Degennien aud) viele bürgerliche, ja jogar ländliche Familien genealogijch behan=beit worben, Berufene Gelehrte, wie Ißekule von Stradoniß unb Prof. £. ßeidenreid) habenmehrfach darauf hingewiejen, daß es überaus wichtig unb wünjd)bar fei, wenn fiel) genealo=gijehe unb familiengejd)id)tlid)e Studien aud) auf bürgerliche Gejd)led)ter erjtrecken würben,indem jolche 3U ebenjo wertvollen unb interefjanten Rejultaten führen müßten, wie bei Gejd)led) 5tern des Abels. Der bekannte ßulturhijtoriker W. ß. Riehl jagt jogar „ ... eine Familien*chronik jollte in jedem Biirgerhauje, in welchem man lejen unb jd)reiben kann, angelegtwerben“.

ln der Tat wirb nicht bejtritten werben können, baß der Gejd)id)te der alten Rats*gejd)led)ter der Stabt 3 iirid), welche gwar 311m teil dem Stabtabel angehörten, großenteilsaber rein bürgerlicher ßerkunft jinb, eine größere Bedeutung 3ukommt, als derjenigen eineradeligen Grunbbejißerfamilie, für beren Glieder Jahrhunderte hindurch der Saß galt „er lebte,nahm ein Weib unb jtarb“. Standen doch bieje jtädtijchen Gejd)led)ter mitten im Ceben unbWeben eines eigenartigen Staatswejens; jie erwarben unb erkämpften bejjen Freiheit unbUnabhängigkeit, jie bluteten unb jtarben auf ben Schlachtfeldern für ihre religiöje Übei^eugung,jie regierten, mit bejonberen Privilegien ausgeriijtet, während vierhundert Jahren über einTerritorium, bas an Umfang unb Bevölkerungs3al)l manches beutjche Fürjtentum weit übertraf.Dicht allen biejen Gejd)led)tern kommt die nämliche Bedeutung 311, aber manche ragen weitüber die Allgemeinheit empor unb nicht wenige Hamen jinb bauernd in die Gejd)id)te derVaterjtabt, des Vaterlandes eingefügt, ja jogar in die Tafeln der Weltgejchichte mit unvergäng*liehen Cettern eingegraben. 3 u biejen Gejchled)tern 3äblen auch die Rahn, welche jid) aufverjd)iedenen Gebieten in ausgegeichneter Weije betätigt haben.

Bei der Abfajjung einer Familiengejd)id)te muß als leitender Grundjaß, wie bei allerGejchichtjcßreibung, die Wahrung der h'jtorijchen Wahrheit und Treue voranjtehen. Hur einWerk, das, ohne Voreingenommenheit begonnen, die Grgebnijje gewijjenhafter und jorgfäl*tiger Quellenforjchung verwertet, alle Eitelkeit und phantajtijche Schönfärberei beijeite läßtund ausjcbließlid) wahre Tatjachen mitteilt, kann auf bleibenden Wert Anjprud) machen; nureine GDonographie, welche auf jolchen Grundjäßen bajiert, wird einen brauchbaren Baujtein3um jtol3en Baue der vaterländijchen Gejchichte bilden und wird imjtande jein, vor der Rritik3U bejtehen und das Interejje der Samilienglieder an der Gejchichte ihrer Vorfahren auf dieDauer 3U befriedigen.

In früheren 3 eiten, namentlich aber in der 3weiten ßälfte des jiebgehnten Jahrhunderts,ijt auf dem Gebiete der Genealogie und Samiliengejd)ichte viel gejündigt worden. Das wardie 3 eit, wo jogenannte §amilientraditionen entjtanden, die jich wie eine ewige Krankheitforterben und immer wieder auftauchen, auch wenn längjt nachgewiejen ijt, daß jie mit denurkundlichen Hachrichten in direktejtem Widerjprud)e jtehen. Oft werden jie in Gedankenlojig=keit oder Unwijjenheit nachgejd)rieben, manchmal aber wird troß bejjerer Ginjicht an Tradi=tionen fejtgeßalten, deren Unrichtigkeit leicht nachgewiejen werden kann. 3 u diejenr 3 weckberuft man jich mit Vorliebe auf „alte Samilienpapiere“, mit deren ßülfe jich jelbjt dasUnmöglid)e beweijen läßt. Dabei wird nicht bedacht, daß jich auch die Altvordern in gutenTreuen irren konnten, wenn jie über Greignijje berichteten, welche um hundert und mehr Jahre3urücklagen, die jie jelber nicht aus Gejchicßtsquellen, jondern nur vom ßörenjagen kannten.£s wird auch jorgfältig vermieden, jich darüber Red)enjd)aft 311 geben, wie und 3U welchen3 wecken jolche Jamilienpapiere oftmals entjtanden jind. — Das Llnglaublichjte in diejerRichtung hat der um 1680 entjtandene Stammbaum der Junker Sd)mid geleijtet.

Auch in neuerer 3 eit jind einige Sramiliengejchichten publi3iert worden, wie jie im 3 eit=alter der kritijehen Gejchichtsforjchung nicht mehr möglich jein jollten. £s liegt wohl in der