3S2 Hofhaltung.
der Bau), dann Bagatelle bei Seelbach und Philippsburg, was großeSummen verschlang. In Blieskastel ließen sich viele Adelige nieder;die Kinder der Gräfin-Witwe wurden französisch erzogen. GelehrteFranziskaner und Wilhelmiten gingen im Schlosse ans und ein, alleshatte einen französischen Anstrich, sehr oft kam der spätere Bayern-könig Max Josef, der jüngere Sohn des verschwenderischen Zwei-brückner Herzogs Karl II., von Straßbnrg zu Gast herüber Esherrschte viel Pracht um Marianne, es fehlte nicht an Mohren undHeiducken im Schlosse, von wo eine lebhafte Korrespondenz mit fran-zösischen Schriftstellern und Gelehrten ausging. Nach dem Vorbildedes hessischen Hofes in Pirmasens wurde eine Armee von 66 MannGardehusaren, Gardegrenadieren und Kanonieren gehalten, 1773wurde eine Kaserne mit Paradeplatz angelegt. Von den GrenadierenWar keiner unter sechs Fuß, sie trugen alle martialische Schnurbärte,knotige Zöpfe und faustdicke Haarbeutel. Die Beine der 66 Mannsteckten in Rohrstiefeln, über die schwarze Gamaschen gezogen waren;der Waffenrock war blau mit gelben Mctallknöpfen und hatte silberweißeEpaulettes; am Schiffhute prangte ein Federbusch, an Werktagen aberersetzte den Hut eine Bärenmütze mit Fangschnüren; Patrontasche undSeitengewehr vollendeten die Uniform. Die türkische Musik war16 Mann stark. Hauptmann Nikolai Bertrand, Stallmeister desGrafen Philipp, befehligte die Schloßwache, er und der frühere Haupt-mann von Scheid wohnten mit ihren Familien im Schlosse, Franziskavon Scheid, im Volksmunde „die Fränz", war Mariannens Jugend-gespielin. Die Beamten waren prächtig gekleidet, die Untertanen hin-gegen mußten sehr bescheiden einhergehen; bei Trauerfällen durftendie Frauen sogar kein schwarzes Kleid, sondern nur ein dunkles Hals-tuch tragen. Der Staatskasse brachte die Staatslotterie, deren Be-günstigung in der Zeitströmung lag, viel ein; die Untertanen spürtenkeinen Steuerdruck.
Im Ratszimmer des Blieskasteler Rathauses hängen heute lebens-große Ölbilder Mariannens und ihres Sohnes, Reste ihrer einstigenGemäldesammlung. Der Kopf Mariannens auf allen Bildern istmehr geistreich als schön zu nennen, scharf und klug blicken die Augen,
5 Privatmitteilnngen des königl. BezirlsarztS Or. Wittenmcicr in Blieskastelan den Autor, 12. und 13. April 1834.