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Hundert Jahre J. P. Bachem : Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag ; [1818 - 1918 ; Köln, 4. Mai 1918]
Entstehung
Seite
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Als sie am 27. April 1856 dem Verlagsbuchhändler JosefBachem am Altäre die Hand reichte, prophezeiten ihr geschwätzigeZungen wegen der schlanken, schwächlichen Gestalt ihres Mannes:Das gibt eine junge Witwe! Stolz war und blieb sie aberdarauf, daß trotz des sehr angestrengten Lebens und der schwerenZeiten, die er durchmachte, ihr Gatte auch körperlich gesundeteund gedieh, niemals ernstlich krank gewesen war und unterihrer Pflege das recht ansehnliche Alter von 72 Jahren erreichte.

Alle Geschicke und Entwicklungen der Firma lebteCatharina Bachem mit. Nicht nur die großen Entschlüsse undUnternehmungen, sondern auch die kleinen Begebenheiten desgeschäftlichen Lebens pflegte ihr Mann mit ihr zu besprechenund zu beraten. Wie viele der ersteren unter dem Einfluß derklugen praktischen Frau zu der richtigen Reife kamen, wirdwohl nur sie selbst wissen. Es war Josef Bachem bei seinertemperamentvollen Veranlagung gleichsam Herzensbedürfnis, überdie in einem lebhaften Geschäftsbetrieb niemals ausbleibendenkleinen und großen Aerger- und Kümmernisse bei seiner Fraudas Herz auszuschütten. Seinem bei allem Edelmut und allerGutherzigkeit seines Charakters manchmal aufbrausenden Wesenwußte sie freundlichen aber festen Gleichmut besänftigend ent-gegenzusetzen. Die gedrückten Stimmungen, denen er beim Ueber-maß der Sorgen hier und da unterworfen war, wußte sie durchherzliche Teilnahme und klugen Zuspruch zu verscheuchen, ihmneuen Lebensmut einzusprechen und seiner Tatkraft neue Anstößezu verleihen.

Stramme Zucht hielt sie unter ihren sechs Kindern, fünfSöhnen von denen einer, August, mit 17 Jahren starb und alsjüngstem einer Tochter. Gehorsam und Wahrhaftigkeit verlangtesie mit eiserner Strenge, so weitherzig sie überschäumendernicht immer geräuschloser Kinderlust gegenüberstand. In ihrenErziehungsgrundsätzen blieb sie ernst und folgerichtig; aber wosie bei ihren Kindern Liebe austeilen konnte, da öffnete sie ihrganzes Herz. In Uebereinstimmung mit ihrem Gatten erzog sieihre Kinder durch Wort und Beispiel in Gottesfurcht und Recht-lichkeit, in Arbeitsamkeit und Pflichterfüllung. In der Anhäng-lichkeit und Dankbarkeit ihrer Kinder fand sie den Lohn fürdieses Erziehungswerk.

Einfach und bescheiden in ihrem Wesen, von Charaktergenügsam und anspruchslos, ist es ihr auch am Abend ihres