53
Geschäfte von den Schultern des kränklichen 65jährigen Vatersauf die seinen übergegangen; am 29. Mai 1854 hatte Lambertseinem Sohne Prokura erteilt und ihm die Leitung des Geschäftesauch formell überlassen. Noch kein halbes Jahr später, am10. November 1854, machte eine Lungenentzündung „nach langenrheumatischen Leiden“ seinem Leben ein Ende.
Im Tode vorangegangen waren ihm seine Gattin Maria Helene,geborene Wasserfall, am 9. März 1846 und seine Söhne 26 Adolfim Alter von 20 und Karl im Alter von 30 Jahren, so daß erals einzige Erben seinen ältesten Sohn Josef und eine TochterEmilie hinterließ.
Beide Erben zeigten unterm 5. Dezember 1854 an, daß sie dasGeschäft unverändert fortsetzen würden und daß Josef Bachemvon seiner Schwester zur Leitung bevollmächtigt worden sei.Da der Titel eines Hofbuchhändlers Lambert Bachem nur per-sönlich zuerkannt worden war, mußte er fortan fallen gelassenwerden.
Indes war diese Vereinbarung von nur privater Bedeutung. Zwarhatte der Polizeidirektor Geiger unterm 23. Dezember 1854 die Fortführungdes väterlichen Geschäftes zum Zwecke der Nachlaßprüfung einstweilenauf sechs Monate gestattet. Dazu mußte aber ein geprüfter Stellvertreterin Wirksamkeit treten; als solcher wurde zuerst unterm 23. Dezember 1854der Buchdrucker Johann Aime Mermet ernannt, am 24. Januar 1855 gabdie Regierung dieselbe Erlaubnis dem Buchdrucker Jos. Stadler ausErfurt. Diese sechs Monate benutzte Josef Bachem, um sich auf dieBuchhändler- und Buchdruckerprüfungen vorzubereiten.
Neben der Unbescholtenheit, Zuverlässigkeit, der allgemeinen Bildungund dem Nachweis der nötigen Mittel zur Ausübung der Gewerbe einesBuchdruckers oder Buchhändlers, die die Gewerbeordnung von 1845forderte, bestimmte das Preßgesetz vom 12. Mai 1851 in seinem erstenParagraphen, daß die genannten Gewerbe nur mit Genehmigung derBezirksregierung ausgeübt werden dürften. Diese wurde aber nur aufGrund eines Befähigungsnachweises erteilt.
Die Buchhändlerprüfung, der sich Josef Bachem am 23. März 1855unterzog und in der er eine Darstellung der Entstehung und Entwicklungdes deutschen Buchhandels zu bearbeiten hatte, bestand er mit „sehr gut“.Unterm 16. Juni folgte die Prüfung als Buchdrucker 23 , die sich auseinem theoretischen und einem praktischen Teil zusammensetzte. DieBuchdrucker Peter Schmitz und Adolf Baedeker stellten ihm als theo-retische Aufgabe die Ausarbeitung einer „Geschichte der Buchdrucker-kunst von ihrem Ursprung bis auf die Gegenwart, nebst Mitteilungenüber die neuesten Erfindungen in dieser Kunst“. Die praktische Prüfung,