Druckschrift 
1 (1861) Reisebilder : Th. 1
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

— 209 —

oft auch harmonisch vernünftig — die Jlias, Plato,die Schlacht bei Marathon, Moses, die mediceischeVenus, der Straßburger Münster, die französischeRevolution, Hegel, die Dampfschiffe u. f. w. sindeinzelne gute Gedanken in diesem schaffenden Got-testraum — aber es wird nicht lange dauern, undder Gott erwacht, und reibt sich die verschlafenenAugen, und lächelt — und unsere Welt ist zerron-nen in Nichts, ja, sie hat nie existiert.

Gleichviel! ich lebe. Bin ich auch nur dasSchattenbild in einem Traum, so ist auch Diesesbesser als das kalte, schwarze, leere Nichtsein desTodes. Das Leben ist der Güter höchstes, unddas schlimmste Übel ist der Tod. Mögen berli-nische Gardelieutenants immerhin spötteln und esFeigheit nennen, dass der Prinz von Homburg zu-rückschaudert, wenn er sein offenes Grab erblickt— Heinrich Kleist hatte dennoch eben so viel Kou-rage wie seine hochbrüstigen, wohlgcschnürten Kol-legen, und er hat es leider bewiesen. Aber allekräftige Menschen lieben das Leben. Goethe'sEgmont scheidet nicht gern „von der freundlichenGewohnheit des Daseins und Wirkens." Jmmer-manu's Edwin hängt am Leben „wie'n Kindleinan der Mutter Brüsten," und obgleich es ihm hart

Heines Werle, Bd. I.

14