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Versuch über den Geist und den Einfluß der Reformation Luthers
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472
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472 Freigeisrevei und Atheismus

Schreibart zu verderben. Daher ließ er auch selbstseinen Herrn, wenn er ihm Breden fertigte, in ei-ner unüblichen altrömischen Zierlichkeit schreiben undzuweilen sehr Heidnische Redensarten gebrauchen; eineAengstlichkeit, oder auch, wenn man will, eine Frei-heit, die ihm von andern sehr übel genommen ward.")

Allein cS laßt sich schon ohne solche, und wennauch viel schlimmere Zeugnisse und Sagen, undohne alle namentliche Beispiele, voraussetzen, daßgute Kopfe, welche von dem Studium der alten Grie-chischen und Römischen Wcltweiscn, Redner, Dichter,Gcschichtschreibcr, wie entzückt und begeistert waren,den Inhalt des gemeinen KirchcnglaubcnS, welcherChristenthum genannt wurde, sehr ungesund und un-genießbar, in seiner gelehrten Form aber, oder inder Kunstwcise, wie ihn die Schulen und Lehrbücherder Theologen behandelten, gar abscheulich findenmußten. Dies um so mehr, wenn sie bedachten, daßeben dieser Kirchenglaube die weisesten und tugend-haftesten Heiden, aus deren Schriften sie die kräf-tigste und schönste Geistesnahrung erhielten, ohneBarmherzigkeit zur Hölle verdammte. Sie mußtenverzweifeln, sie konnten es schlechterdings nicht fürmöglich halten, daß an diesem so dicht verschlunge-nen Gewebe von Formeln und Satzungen, ohne esganzlich zu zerreißen, sich etwas bessern lasse. Siewollten es lieber gar nicht anrühren, dem abergläu-bischen Volke aber und den rohen Pfaffen ihre Götzenlassen, und, anstatt sich Verdruß und Gefahr zuzu-ziehen, wie so mancher gutmüthige unkluge Eiferer,lieber von der mächtigen und reichen Kirche anschn-

H Phil. Bonami ci nennt es sehr sanft: -uper-titio-ssin latine 5erive>Mi rationcm. De ^ontisiciai'am ez?D«tolar. scrPtoi'ivus, x. 221.