Capitel 15.
18)
oder andere, so wol mögen mit den Christen leben, beten, fasten,zum Sacrament gehen, und äusserlich also leben, daß man sienicht kann auswerfen, und sind dennoch nicht rechte Reben, son-dern fremde, dürre Dornreiser, zwischen den Trauben, wiewol sie,dem Ansehen nach, weit vor den andern scheinen. Nun abermuß es also seyn: wer ein Christ seyn soll, der muß seyn natür-lich geboren und gewachsen aus dem Weinstock, Christo.
Also will Cbristus hiermit seine Jünger gcwarnet haben,daß sie ja bleiben bey seinem Wort, so da neugeborne und gena-turte reckte Christen machet, die da viel Früchte bringen aus demWcinsiock und sich hüten vor allerley anderer Lehre, so solchesverkehren, und aus der Frucht den Baum, oder aus Disteln undDorn Trauben mackeN wollen. Denn es wird doch nimmernichts draus, Art laßt von Art nicht, und wenn man lange leh-ret, treibet und sick blauet mit Wercken.- so wird doch die Naturnicht anders; es muß Natur und Art da sevn, oder wirsts mitkeinem Treiben und Blauen ausrichten. Denn die zwey sindund bleiben allezeit weit unterschieden.- eins heißt gemacht, dasandere genaturt oder gewachsen.
Denn obne mich könnet ihr nichts thun.
Diß ist ein kurtzer Schluß und dürre verklaret, das er jetztgesagt hat: ohne mich; das ist, wo ihr nicht in mir bleibet unddurch mich geborne Christen werdet, so werdet ihrs nicht thun,ibr macket und thut gleich, was ihr wollet.
Also ist hier beschlossen ein greulich Urtheil über alles Lebenund Tbun, es sev, wie groß, herrlich und schön es wolle, so aus-ser Christo ist, daß es nichts thun könnte und nichts heifsen soll.Groß und viel ist es wol vor der Welt, denn es heifsen treffliche,köstliche Wercke; aber hier, vor Gott, in dem Reiche Christi, istes wahrhaftig nichts, weil es nicht aus ihm gewachsen ist, nochin ihm bleibt. Denn es ist nicht sein Wort, Taufe und Sacra-ment, sondern unser selbst gemacht Ding, das wir ausser demWort erwählet und erzwungen haben. Darum kann es nichtFrüchte bringen, noch vor Gott bestehen bleiben, sondern muß,als ein fauler, verdorretcr Baum ohne Saft und Kraft, ausge-rottet und (wie er hernach sagt) ins Feuer geworfen werden.
K. Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen, wie einRebe, und verdorret, und man sammlet sie, und wirftsie ins Feuer und verbrennet sie.
Er hat seinen Christen den hohen Trost gelassen und treffli-chen Ruhm, daß ein Christlich Leben, so im Glauben bleibt, sey