Druckschrift 
10 (1828)
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

Capitel IS. 18t

iisi), sondern zum Besten, daß sie dadurch gereiniget und gebes-sert werde, dem Wcingarrner viel Früchte zu tragen. Denn dasheißt er hier gereiniget, daß die, so in Christo sind, immerdarfortfahren und zunehmen. Wodurch aber solche Reinigungkomme, oder welches die reckte Hauptreinigung sey, dadurch sieChristo, als Reben, eingeleibet werden, setzet er deutlich darzu,und spricht:

Z. Ihr seyd nun rein um des Worts willen, so ich zu euchgeredet habe.

Er lehret mit diesem Spruche das rechte Hauptstück derChristlichen Lehre, wie und wodurch die Person vor Gott reinund gerecht werde und bleibe, also daß dieselbige Reinigkeit, sovor Gott gelten soll wider die Sünde, gar nicht soll gegeben undzugemessen werden unserm Thun oder Leiden, ob es gleich vondenen, so Christen sind, geschieht, und nun rechte, gute, reineFrüchte heissen. Denn er redet alhier eben mit seinen liebenAposteln, so nun glaubig oder Christen waren, und spricht: Reinseyd ihr, und doch nicht deßhalben, daß ihr gute Früchte traget,sondern um meines Worts willen.

Siehe, also zeiget er fein, daß die Reinigkeit der Christennicht kommt aus den Früchten, so sie bringen; sondern ihreFrüchte und Wercke kommen aus der Reinigkeit, so sie zuvor ha-ben aus dem Wort, dadurch das Hertz gereiniget wird, wie St.Petrus, Apgesch. IS, 9., sagt. Aus derselbigen folgen denn dieFrüchte, sind aber nicht selbst die Reinigkeit, ohne daß sie umdes Glaubens willen auch rein und gut gerechnet werden undGott Wohlgefallen.

4. Bleibet in mir und ich in euch. Gleichwie der Rebe kannkeine Frucht bringen von ihm selber, er bleibe denn amWeinstock: also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir.

Ihr habt nun mein Wort (spricht er), dadurch ihr reinseyd, und durch welches auch euere Früchte gut sind und allesGott wohlgefallt. Aber sehet zu, daß ihr nur in mir bleibetdurch den Glauben, wo ihr wollet die Reinigkeit behalten undgute Früchte bringen, und nicht auf euer eigen Thun fallet durchVermessenhcit oder falsch Vertrauen, noch sonst durch andere An-fechtung euch von dem Glauben lasset abwenden und reissen, da-mit ihr nicht, beyde, euere Reinigkeit (so ihr in mir habt) ver-lieret und die Früchte verderbet und zunichte machet.

Also ist diß zur Vermahnung und Warnung gesetzet, undsollte wol schrecklich seyn, wenn wir nicht so harte Kopffe hatten.