Vorrede auf die Epistel St. Jacobi und St. Judä. 99
lein von Abrahams Glauben und nicht von seinen Wercken sagt,wie ihn St. Paulus (Rom. 4, 3.) führet, doch auf die Werckezeucht; darum dieser Mangel schleußt, daß sie keines Apostels sey.
3. Aufs andere, daß sie will Christenleute lehren, und ge-dencket nicht einmal in solcher langen Lehre des Leidens, der Auf-erstehung, des Geistes Christi. Er nennet Christum etliche mal;aber er lehret nichts von ihm, sondern saget vom gemeinen Glau-ben an Gott. Denn das Amt eines rechten Apostels ist, daß ervon Christi Leiden und Auferstehung und Amt predige, und legedesselben Glaubens Grund, wie er selbst saget, Joh. 13, 27- Ihrwerdet von mir zeugen. Und darinne stimmen alle rechtschaffeneheilige Bücher überein, daß sie allesamt Christum predigen undtreiben. Auch ist das der rechte Prüfestein, alle Bücher zu tadeln,wenn man siehet, ob sie Christum treiben, oder nicht, sintemalalle Schrift Christum zeiget, Rom. 3, 21., und St. Paulusnichts, denn Christum wissen will, 1. Cor. 2, 2. Was Chri-stum nicht lehret, das ist noch nicht apostolisch, wenn es gleichSt. Petrus oder St. Paulus lehrete; wiederum, was Christumprediget, das wäre apostolisch, wenns gleich Judas, Hannas, Pi-latus und Herodes thät.
4. Aber dieser Jacobus thut nicht mehr, denn treibet zu demGesetz und seinen Wercken, und wirst so unordig eins ins andere,daß mich düncket, es sey irgend ein gut, fromm Mann gewesen,der etliche Sprüche von der Apostel Jünger gefasset und also aufsPapier geworfen hat, oder ist vielleicht aus seiner Predigt voneinem andern beschrieben. Er nennet C. 1, 23. das Gesetz einGesetz der Freyheit, so es doch St. Paulus ein Gesetz der Knecht-schaft, des Zorns, des Todes und der Sünde nennet, Gal. 3, 23.24., Rom. 7, 11. 23.
3. Ueber das führet er Cap. 3, 20. die Sprüche St. Petri,1. Petri 4, 8: Die Liebe bedeckt der Sünden Menge; item Cap.3,16: Demüthiget euch unter die Hand Gottes; item, C. 4,3., St. Pauli Spruch, Gal. 3, 17: „Den Geist gelüstet widerden Haß", so doch St. Jacobus zeitlich vom Herode zu Jerusa-lem vor St. Peter getödtet war, daß es wol scheinet, wie erlängst nach St. Peter und Paul gewesen sey.
6. Summa, er hat wollen allen denen wehren, die auf denGlauben ohne Wercke sich verliessen, und ist der Sache zu schwachgewesen, will es mit Gesetztreiben ausrichten, das die Apostel mitReihen zur Liebe ausrichten. Darum kann ich ihn nicht unterdie rechten Hauptbücher setzen, will aber damit niemand wehren,