28 Vorrede über die Sprüche Salomo.
Gott lobet für den Gehorsam, als für eine Gottes Gabe. Dem,wo Gott nicht Haushalt und selbst regieret, da ist in keinemStande weder Gehorsam, noch Friede. Wo aber Gehorsam odergut Regiment ist, da wohnet Gott und küsset und hertzct seineliebe Braut mit seinem Worte, das ist seines Mundes Kuß.Also, wo es gehet im Lande oder Haus nach den zweyen Bü-chern, (so viel es seyn kann,) da mag man auch das dritte Buchwol singen und Gott dancken, der uns solches nicht allein gelehret,sondern auch selbst gethan hat. Amen.
Vorrede über die Sprüche Salomo.
1. Weil diß Buch insonderheit viel mit Narren und Weisenzu schaffen hat, und allenthalben die Weisheit rühmet, und dieThorheit schilt, ist vonnöthen, daß man die Sprache und Wortevornehme, was er durch Narren und Weisen verstanden habenwill. Darum, daß diß nützliche Buch desto lichter werde, willich etliche Worte hier kürtzlich, aufs allerdeutlichste ich mag, ans-streichen.
2. Das ist des Königs Davids im Psalter, und sonderlichdes Königs Salomo Weise, und ist vielleicht zu der Zeit derSprache Art gewesen, daß sie Narren oder Thoren heissen, nichtdie, so man vor der Welt Narren heißt, oder die geborne Nar-ren sind, sondern allerley lose, leichtfertige, unachtsame Leute, al-lermeist, die ohne Gottes Wort fahren, thun, reden aus eigenerVernunft und Vornehme», wie gemeiniglich sind die Allergröße-sten, Klügsten, Mächtigsten, Reichsten und Heiligsten vor derWelt, wie auch Paulus die Galater, und Christus die Pharisäerund seine Jünger Narren heißt im Evangelio. Auf daß du wissest,wie Salomon nicht von schlechten noch geringen Leuten redet, wenner von Narren redet, sondern eben von den besten in der Welt.
3. Denn Salomo heißt Weisheit hier nichts anders, dennGottes Weisheit, die in Gottes Worten und Wercken gelehretwird. Darum er auch immer Gottes Gebot und Werck anzeucht.Dazu ist aller Sprüchworte kein anderer Ursprung, denn GottesWort und Werck, weil aller Menschen Anschläge eitel und falsch