Capitel S. 257
Christi nicht hat, aufgeblasen werde und in den widerwärtigenDingen hinter sich falle, wie er sich zuvor in den glückseligen Ta-gen erhöhet hatte, und lebet also in keiner Zeit recht und ge-dührlich.
Darum mögen wir ohne alle Gefährlichkeit diesen gemeinenSententz aussprechen wider alle die, so wir sehen, daß sie Chri-stum nicht erkennen, baß sie furchtsam sind in der Widerwärtia-keit und hochmüthig, wenns wohl gehet, und kurtzum zur Unzeitverzagt und hochmüthig sind. Wiederum halt es sich weit andersmit einem rechten Christen, welcher bestehet und trotzig, eineskecken und fröhlichen Hertzens zu widerwärtiger Zeit, vertrauet,hoffet in Gott, aber gar erschlagen und zaghaft in glückseligenDingen, fürchtet Gott; er lässet sich nicht zu schänden machen,wenn er leidet; er berühmet sich auch nicht, wenn er erhöret wird,und ist allenthalben recht und schlecht.
13. Denn auch sie selbst, die sich beschneiden lassen, haltendas Gesetz nicht, sondern sie wollen, daß ihr euch be-schneiden lasset, auf daß sie sich von eurem Fleisch rüh-men mögen.
Das hat er auch oben im 5. Cap. Z. gesagt, daß der einSchuldiger sey des gantzen Gesetzes, der sich beschneiden läßt.Denn warum? Ob er gleich äußerlich am Fleisch wird beschnit-ten, so erfüllet er doch weder das Gesetz der Beschneidung, nochkein anders. Ursache ist die, sie thun nichts aus Fröhlichkeit desGeistes, sondern alles, was sie thun, geschiehet aus Furcht deszornigen Gesetzes.
So ist nun oft und viel gesagt, daß eben nichts sey, wenndas Gesetz nicht erfüllet wird ohne alles falsche Gesuch, aus freyem,fröhlichem Hertzen, sondern lauter vergebene Dichterey und Heu-cheley. Denn, was nicht aus dem Willen geschiehet, das geschie-het auch vor Gott nicht in der Wahrheit, sondern es scheinet nurvor den Menschen, als geschähe es.
So saget nun Paulus abermal unverdeckt, daß alle die sindUebertreter des Gesetzes, die sich lassen beschneiden; und machetdadurch abermal zu schänden auch unsere Theologos, unsere So-phisten, die da sprechen, daß die Wercke, so geschehen ohne dieGnade des Heiligen Geistes, dennoch gut sind, als sittliche Wercke,und erfüllen das Gesetz, als viel es die Substantz der That an-trifft, und sollen solche Wercke nicht Sünde seyn. Es stehet aberein vester Sententz, daß der Wille und Fröhlichkeit des Geistes,der das Gesetz erfüllet, allein empfangen werde in Christo, und
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