Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
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Predigt am sechsten Sonntage nach Trinitatis.Röm. 6. 3 11.

Mne vermahnung zum Christlichen Leben.

-zHn dieser Epistel lehret St. Paulus die Christen vom Christli-chen Leben auf Erden, und hanget daran die Hoffnung des an-dern, zukünftigen Lebens, darauf sie getauft und Christen wor-den sind. Denn er machet aus diesem Leben auf Erden einSterben, ja, auch ein Grab; doch dahin gerichtet, daß hinfortein ander Wesen der Auferstehung und neues Leben in uns er-funden werde. Und kommt auf diese Lehre aus der Ursache:Denn es gehet allezeit also in der Welt, wenn man predigt vonder Gnade und Vergebung der Sünde, ohne alle unser Verdienstuns geschenkt, so wollen die Leute davon frey werden, und keineWerke thun, denn was sie gelüstet. Also ging es St. Pauloauch, da er die Gnade Christi so hoch und trostlich daher preiset,wie er kurz zuvor im S. Cap. V. 20, spricht: Je grosser undmachtiger die Sünde sey, je machtiger sey auch die Gnade wor-den, daß, wo grosse und viele Sünde sey, da sey und herrscheauch grosse, viel und reiche Gnade. L! ist das wahr, sprach derrohe Haufe, daß auf grosse Sünde grosse Gnade folget und ge-geben wird; so wollen wir nur getrost Sünde aufladen, undleichtlich der Sache helfen, daß wir auch desto mehr und grössereGnade mögen haben.

Solchen begegnet nun St. Paulus mit dieser Verlegung,und spricht: Es sey nicht die Meynung des Evangelii, daß esSünde lehre, oder zu sündigen erlaube; sondern eben das Wider-spiel lehret es, wie man der Sünde und des schrecklichen GottesZorns über die Sünde los werde. Welches geschieht nicht also,daß wir durch unser Werck solches zuwege bringen; sondern daßuns Gott aus lauter Gnaden die Sünde vergibt, um seinesSohnes willen. Denn er findet auch an uns nichts, denn eitel