Druckschrift 
8 (1862) Französische Zustände : Th. 1
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

— 341 —

sein, dem sich bei ausländischen Anfeindungen dieNation unbedingt anschließen werde, und er scheintdcsshalb den Krieg nicht mehr so ängstlich wie sonstzu fürchten. Die patriotische Partei bildet freilichdie Minorität, und diese misstraut ihm; sie fürchtetmit Recht, dass er gegen die Fremden minder feind-lich gestimmt sei, als gegen die Einheimischen. Jenebedrohen nur seine Krone, Diese sein Leben. DassLetzteres wirklich geschieht, weiß der König. In derThat, wenn man berücksichtigt, dass Ludwig Phi-lipp von der blutigsten Böswilligkeit seiner Gegnerin tiefster Seele überzeugt ist, so muss man überseine Mäßigung erstaunen. Er hat freilich durch dieErklärung des Ltat eis eine unverantwort-liche Illegalität sich zu Schulden kommen lassen;aber man kann doch nicht sagen, dass er seine Machtunwürdigerwcisc missbraucht habe. Er hat vielmehrAlle, die ihn persönlich beleidigt hatten, großmüthigstverschont, während er nur Diejenigen, die seinerRegierung sich feindlich entgegengesetzt, niederzu-halten oder vielmehr zu entwaffnen suchte. Trotzalles Missmuths, den man gegen den König Lnd-wig Philipp hegen mag, will sich mir doch dieÜberzeugung aufdrängen, als sei der Mensch Lud-wig Philipp ungewöhnlich cdclhcrzig und großsinuig.Seine Hauptlcidcnschaft scheint die Bausucht zu sein.