Druckschrift 
2 (1861) Reisebilder : Th. 2
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

— 322 —

Denke! rief der Eidcchs mit einem scharfen, vor-nehmen Tone der tiefsten Geringschätzung, denken!wer von euch denkt? Mein weiser Herr, schon andie dreitausend Jahre mache ich Untersuchungen überdie geistigen Funktionen der Thiere, ich habe beson-ders Menschen, Affen und Schlangen zum Gegen-stand meines Studiums gemacht, ich habe so vielFleiß auf diese seltsamen Geschöpfe verwendet wieLyonnet auf seine Wcidenraupcn, und als Resultataller meiner Beobachtungen, Experimente und ana-tomischen Verglcichungen kann ich Ihnen bestimmtversichern: Kein Mensch denkt, es fällt nur dannund wann den Menschen Etwas ein, solche ganzunverschuldete Einfälle nennen sie Gedanken, unddas Aneinanderreihen derselben nennen sie Denken.Aber in meinem Namen können Sie es wieder-sagen: Kein Mensch denkt, kein Philosoph denkt,weder Schclling noch Hegel denkt, und was garihre Philosophie betrifft, so ist sie eitel Luft undWasser, wie die Wolken des Himmels; ich habeschon unzählige solcher Wolken stolz und sicherüber mich hinziehen sehen, und die nächste Mor-gensonne hat sie aufgelöst in ihr ursprünglichesNichts; — es giebt nur eine einzige wahre Philo-sophie, und diese steht in ewigen Hieroglyphenauf meinem eigenen Schwänze.