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2 (1861) Reisebilder : Th. 2
Entstehung
Seite
169
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Lieber Leser, man kann es den Glocken seltenansehen, wo sie einen Riss haben, und nur anihrem Tone merkt man ihn. Hättest du nun denKlang der Stimme gehört, womit obige Worte ge-sprochen wurden, so wüsstest du gleich, Mylady'sHerz ist eine Glocke vom besten Metall, aber einverborgener Riss dämpft wunderbar ihre heiterstenTöne, und umschleiert sie gleichsam mit heimlicherTrauer. Doch ich liebe solche Glocken, sie findenimmer ein gutes Echo in meiner eignen Brust;und ich küsste Mylady's Hand fast inniger alsehemals, obgleich sie minder vollblühend war, undeinige Adern, etwas allzublan hervortretend, mirebenfalls zu sagen schienen: Mathilde hat unter-dessen viel gelitten.

Ihr Auge sah mich an wie ein wehmüthigeinsamer Stern am herbstlichen Himmel, und weichund innig sprach sie: Sie scheinen mich wenigmehr zu lieben, Doktor! Denn nur mitleidig fieleben Ihre Thräne auf meine Hand, fast wie einAlmosen.

Wer heißt Sie die stumme Sprache meinerThränen so dürftig ausdeuten? Ich wette, derweiße Jagdhund, der sich jetzt an Sie schmiegt,versteht mich besser; er schaut mich an und dannwieder Sie, und scheint sich zu wundern, dass die