Druckschrift 
6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

— 192 —

Und ich bekomm' doch meinen Lohn,

Dcis weiß ich schon.

Ihr Brüder allzumal,

Heut seht Ihr mich zum letztenmal;Der Hirtenbub ist doch nur Schuld daran,Das Alphorn hat mir Solches angethan,Das klag' ich an. — — —

Welch ein schönes Gedicht! Es liegt in diesenVolksliedern ein sonderbarer Zauber. Die Knnst-poetcn wollen diese Naturerzengnisse nachahmen, inderselben Weise, wie man künstliche Mineralwasserverfertigt. Aber wenn sie auch durch chemischenProcess die Bestandteile ermittelt, so entgeht ihnendoch die Hauptsache, die unzcrsctzbare sympathetischeNaturkraft. In diesen Liedern fühlt man den Herz-schlag des deutschen Volks. Hier offenbart sich allseine düstere Heiterkeit, all seine närrische Vernunft.Hier trommelt der deutsche Zorn, hier pfeift derdeutsche Spott, hier kttsst die deutsche Liebe. Hierperlt der echt deutsche Wein und die echt deutscheThräne. Letztere ist manchmal doch noch köstlicherals ersterer; es ist viel Eisen und Salz darin.Welche Naivctät in der Treue! In der Untreue,