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6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
Seite
125
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abgeneigt war, der berühmten Catalani seine Beglei-tung auf ihren Reisen anzubieten.

Wie gesagt, die Beförderung der Eleganz istein Hauptverdicnst des Herrn Schlegel, und durchihn kam auch in das Leben der deutschen Dichtermehr Civilisation. Schon Goethe hatte das cin-slussrcichste Beispiel gegeben, wie man ein deutscherDichter sein kann, und dennoch den äußerlichenAnstand zu bewahren vermag. In früheren Zeitenverachteten die deutschen Dichter alle konventionel-len Formen, und der Name „deutscher Dichter"oder gar der Name „poetisches Genie" erlangte dieunerfreulichste Bedeutung. Ein deutscher Dichterwar ehemals ein Mensch, der einen abgeschabten,zerrissenen Rock trug, Kindtauf- und Hochzcitge-dichte für einen Thaler das Stück verfertigte, stattder guten Gesellschaft, die ihn abwies, desto bessereGetränke gcnoss, auch wohl des Abends betrunkenin der Gosse lag, zärtlich gcküsst von Lnna's gefühl-vollen Strahlen. Wenn sie alt geworden, pflegtendiese Menschen noch tiefer in ihr Elend zu versinken,und es war freilich ein Elend ohne Sorge, oder desseneinzige Sorge darin besteht, wo man den meistenSchnaps für das wenigste Geld haben kann.

So hatte auch ich mir einen deutschen Dichtervorgestellt. Wie angenehm verwundert wa.r ich daher