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6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
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Schlegel war ein tiefsinniger Mann. Er erkanntealle Herrlichkeiten der Vergangenheit, und er fühltealle Schmerzen der Gegenwart. Aber er begriffnicht die Heiligkeit dieser Schmerzen und ihre Noth-wendigkeit für das künftige Heil der Welt. Er sahdie Sonne untergchn, und blickte wehmüthig nachder Stelle dieses Untergangs, und klagte über dasnächtliche Dunkel, das er heranziehen sah; und ermerkte nicht, dass schon ein neues Morgenroth ander entgegengesetzten Seite leuchtete. Friedrich Schle-gel nannte einst den Geschichtsforschereinen um-gekehrten Propheten." Dieses Wort ist die besteBezeichnung für ihn selbst. Die Gegenwart warihm verhnsst, die Zukunft erschreckte ihn, und nurin die Vergangenheit, die er liebte, drangen seineoffenbarenden Seherblickc.

Der arme Friedrich Schlegel, in den Schmer-zen unserer Zeit sah er nicht die Schmerzen derWiedergeburt, sondern die Agonie des Sterbens, erahnte nicht, wesshalb der Tcmpclvorhang zerriss unddie Erde erbebte und die Felsen zerbarsten, undaus Todesangst flüchtete er sich in die zitterndenRuinen der katholischen Kirche. Diese war jeden-falls der geeignetste Zufluchtsort für seine Gcmüths-stimmung. Er hatte viel heiteren Übcrmuth im Lebenausgeübt; aber er betrachtete Solches als sündhaft,