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6 (1861) Über Deutschland : T. 2
Entstehung
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die Kunst von den zeitlichen Ansichten der Menschenunabhängig bleiben; die Knnst müsse daher beson-ders unabhängig bleiben von der Moral, welcheauf der Erde immer wechselt, so oft eine neue Re-ligion emporsteigt und die alte Religion verdrängt.In der That, da jedesmal nach Abfluss einer ReiheJahrhunderte immer eine neue Religion in der Weltaufkommt und, indem sie in die Sitten übergeht,sich auch als eine neue Moral geltend macht, sowürde jede Zeit die Kunstwerke der Vergangenheitals unmoralisch verketzern, wenn solche nach demMaßstäbe der zeitigen Moral bcurthcilt werden sollen.Wie wir es auch wirklich erlebt, haben gute Christen,welche das Fleisch als teuflisch verdammen, immerein Ärgernis empfunden beim Anblick der griechischenGötterbilder; keusche Mönche haben der antiken Ve-nus eine Schürze vorgebunden; sogar bis in dieneuesten Zeiten hat man den nackten Statuen einlächerliches Feigenblatt angeklebt; ein frommer Quä-ker hat sein ganzes Vermögen aufgeopfert, um dieschönsten mythologischen Gemälde des Giulio Ro-mano aufzukaufen und zu verbrennen — wahrlich,er verdiente dafür in den Himmel zu kommen unddort täglich mit Ruthen gepeitscht zu werden! EineReligion, welche etwa Gatt nur in die Materie setzteund daher nur das Fleisch für göttlich hielte, müsste,