geblieben und den man die alte Gasse nennt, jenehohen schwarzen Häuser, wo ein grinsendes, feuch-tes Volk umhcrschachcrt, ist ein schauderhaftesDenkmal des Mittelalters. Die ältere Synagogeexistiert nicht mehr; sie war minder geräumig alsdie jetzige, die später erbaut wurde, nachdem dieNürcmbergcr Vertriebenen in die Gemeinde aufge-nommen worden. Sic lag nördlicher. Der Rabbibrauchte ihre Lage nicht erst zu erfragen. Schonaus der- Ferne vernahm er die vielen verworrenenund überaus lauten Stimmen. Im Hofe des Got-teshauses trennte er sich von seinem Weibe. Nach-dem er an dem Brunnen, der dort steht, seineHände gewaschen, trat er in jenen untern Thcilder Synagoge, wo die Männer beten; die schöneSara hingegen erstieg eine Treppe nnd gelangteoben nach der Abthcilnng der Weiber.
Diese obere Abtheilung war eine Art Galeriemit drei Reihen hölzerner, brannroth angestriche-ner Sitze, deren Lehne oben mit einem hängendenBrette versehen war, das, um das Gebetbuch dar-auf zu legen, sehr bequem aufgeklappt werdenkonnte. Die Frauen saßen hier schwatzend nebeneinander, oder standen aufrecht, inbrünstig betend;manchmal auch traten sie neugierig an das großeGitter, das sich längs der Morgcnseitc hinzog, und