Druckschrift 
1 (1842) (1842)
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

70

ein Torfmoor durch ein von ungefähr darauf angezündetesFeuer gar leicht in Brand gesetzt; und selbst wenn eindergleichen Torfmoor von menschlichen Wohnungen etwasentfernt liegen sollte, kann ein solcher Erdbrand um soweniger unbemerkt bleiben, je länger derselbe, einmal ent-standen, anzuhalten pflegt*).

Sonach erzählt denn auch schon Plinius in seinerNaturgeschichte, die Chauzen — welche altdeutsche Völ-kerschaft damals die Herzogthümer Bremen und Verden,und die Grafschaften Oldenburg, Delmenhorst, Diepholz,Hoya und Ostfrießland bewohnte — hätten es verstanden,

*) Der berühmte Gmelin erzählt in seinen Reisen durch Ruß-land in den Jahren 1768 u. 69, Th. I., S. 22, einen merkwür-digen Fall dieser Art aus Sibirien. Man fand sich nämlich daselbstbewogen, ein, aus einem Torfmoor stehendes Dorf wegen des allzumorastigen Bodens auf eine andere Stelle zu verlegen, und zündetedann, um den Platz desto schneller freizumachen, die Ueberbleibselder alten Wohnungen an. Dieses Fener ergriff aber die brennbareErdoberfläche mit solcher Gewalt, daß, als Gmelin in dieseGegend kam, das Torfmoor schon über ein halbes Jahr lang ge-brannt hatte. Einen noch umfänglicheren Brand dieser Art ausder Gegend von Köln, erwähnt der römische GeschichtschreiberTacituS in seinen Annalen, XIII, 57. Es geriethen nämlichnicht lange nach Erbauung der Stadt Köln ungefähr im fünfzigstenJahre n. Chr. Geb., die schon damals, wie noch jetzt, m dernächsten Umgebung beflndlichen zahlreichen Torfmoore in einen sogewaltigen Brand, daß Landgüter, Dörfer und Saaten durch das,fast bis zu den Stadtmauern herandringende Feuer vernichtet wur-den. Die Landbewohner geriethen darüber so sehr in Verzweiflung,daß sie aus Aberglauben, als alle mit Wasser angestellte Löschungs-versnche erfolglos blieben, gegen die Gluth wie gegen einen bösenGeist mit Steinwürfen, Keulenschlägen und Hinopferung ihrerKleidungsstücke anzukämpfen suchten.