§. 2IZ. Wir kommen mm zu den Erscheinungen des Lichtes.
In dem Artikel Ana tomi Sinus und PlasiicismuS am Anorganischen wur-den die zwcy Hauptgesetze der Katoptrik und Dioptrik, näuilich vom gleichen Ausfalls-undZurückwerfungswinkel, fcrners vom Gebrochcnwcrden zum Perpendikel, oder vom Perpen-dikel unter einem beständigen Verhältnisse der SinuZse des Einfalls-und Brechungswinkelsvorgetragen.
Ferners wurde daselbst gezeigt, wie diese Gesetze ausgedrückt werden müssen, wenn siesich bloß auf die Erscheinungen, so wie sich diese uns darstellen, beziehen sollen, ohne still-schweigend eine Hypothese in sich zu fassen. Diesen Ansichten gemäß bediene ich mich hierstatt der Ausdrücke Einfallswinkel, Brechungswinkel, Zurückwerfungswinkel folgender Aus-drücke: Winkel der Strahlenare; Winkel der eingebildeten Linie hinter der Fläche; Win-kel der eingebildeten Linie vor der Fläche; wobey sich Alles auf den bekanntcrmaaßen gefälltenPerpendikel bezieht.
§. 219. Unter übrigens gleichen Umstanden, wird der Winkel der eingebildeten Liniehinter der Fläche (Brechungswinkel) kleiner, wenn das Mittel dichter und brennbarer ist,welches vielleicht nach den neuern Ansichten der Chemie besser so ausgedrückt wurde: dererwähnte Winkel nimmt ab, wenn das Mittel dichter, und wenn es (an der VoltaifchenSäule) mehr positiv elektrisch ist. Daher wird dieser Winkel weit kleiner ausfallen, wennunter übrigens gleichen Umständen das Mittel Wasserstoff, als wenn es Sauerstoff ist (wirsprechen hier immer von dem Falle, wo nach der angenommenen Weife, sich auszudrücken,der Strahl aus einem dünnern in ein dichteres Mittel übergeht) ^).
Die Dichtigkeit unserer Atmosphäre nimmt mit der Annäherung an unserer Erde zu;dieß muß nach dem oben angeführten Gesetze zur Folge haben, daß ein leuchtender Punktuns nicht da erscheint, wo er wirklich ist. Nach der angenommenen Hypothese von der Be-wegung und Ablenkung des Lichtes in seiner Bahn, wird das Gesetz dieses Phänomens aufeine Curve bezogen, welche der Strahl vom leuchtenden Punkte bis zu unserm Augedurchlaufen soll. Hier unterscheidet man bekanntlich die astronomische und irdische Strah-lenbrechung; das Gesetz, vorzüglich der letztern, ist noch sehr unbestimmt. Eine Haupt-schwierigkeit ist hier jene, daß sowohl der leuchtende Punkt, als das A-ige des Beobach-ters met eigenen Dunstkreisen umgeben sind, bcy denen die Gesetze der Brechbarkeit sich ssschwer bestimmen lassen ").
") Eine merkwürdige Ausnahme von diesem Gesetze will Brewstcr gefunden haben (Gilb. Annal.5Z1;.), indem er behauptet, es besitze das chromiumsaurc Birvoxyd unter allen dis jetzt untersuchtenKö> pern die größte srrahlcnbrechende Kraft, die größte doppelte Strahle brechung und die größtefar! überstreue, de Kraft. Sollte die Brennbarkeit des Chcoins und Bi.yeS hier so vorherrschendWirten?
**) Äch fa sc diesen Gegenstand gcflicßentlich so kurz, da er schon an einen« andern Orte wcitlanftigcrerörtert wurde (Anatvnusmus und Plasticismus am Anorganischen).