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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
141
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wandernd, sich in Paris versammelten, war in derThat geeignet, ein edel gefühlvolles Herz bis inseine Tiefen zu bewegen. Aber was brauch' ich dich,thcurer Leser, an diese Betrübnisse zu erinnern, duhast in Deutschland den Durchzug der Polen miteignen thräncndcn Augen angesehen, und du weißt,wie das ruhige, stille deutsche Volk, das die eignenLandcsnöthcn so geduldig erträgt, bei dem Anblickder unglücklichen Sarmatcn von Mitleid und Zornso gewaltig erschüttert wurde und so sehr außerFassung kam, dass wir nahe daran waren, für jeneFremden Das zu thun, was wir nimmermehr füruns selber thätcn, nämlich die heiligsten Untcrthans-pflichtcn bei Seite zu setzen und eine Revolutionzu machen . . . zum Besten der Polen.

Ja, mehr als alle obrigkeitlichen Plackereien unddemagogischen Schriften hat der Durchzug der Polenden deutschen Michel revolutioniert, und es warein großer Fehler der rcspektiven deutschen Regie-rungen, dass sie jenen Durchzug in der bekanntenWeise gestatteten. Der größere Fehler freilich be-stand darin, dass sie die Polen nicht längere Zeitin Deutschland verweilen ließen; denn diese Ritterder Freiheit hätten bei verlängertem Aufenthalt jenebedenkliche, höchst bedrohliche Sympathie, die sie denDeutschen einflößten, selber wieder zerstört. Aber