Druckschrift 
12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

Es muss prächtig aussehen, wenn er dort durch dieStraßen reitet, der Bürger beider Welten, der göt-tcrglciche Greis, die silbernen Locken hcrabwallcndüber die heilige Schulter ... Er grüßt mit denalten lieben Augen die Enkel jener Väter, die einstmit ihm kämpften für Freiheit und Gleichheit. . .Es sind jetzt sechzig Jahr', dass er aus Amerikazurückgekehrt mit der Erklärung der Mcnschhcits-rcchtc, den zehn Geboten des neuen Wcltglaubcns,die ihm dort offenbart wurden unter Kanonendonnerund Blitz . . . Dabei weht wieder auf den Thür-mcn von Paris die dreifarbige Fahne, und es klingtdie Marseillaise!

Lafahcttc, die dreifarbige Fahne, die Marseil-laise ... Ich bin wie berauscht. Kühne Hoffnun-gen steigen leidenschaftlich empor, wie Bäume mitgoldenen Früchten und wilden, wachsenden Zweigen,die ihr Laubwerk weit ausstrecken bis in die Wol-ken > . . Die Wolken aber im raschen Fluge ent-wurzeln diese Ricsenbäume und jagen damit vondanncn. Der Himmel hängt voller Violinen, undauch ich rieche es jetzt, die See duftet nach frisch-gebackenen Kuchen. Das ist ein beständiges Geigenda droben in himmelblauer Freudigkeit, und Dasklingt aus den smaragdenen Wellen wie heiteresMüdchcngckicher. Unter der Erde aber kracht es