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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
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In diesem geheimnisvollen Zwinkern, in diesem un-sicher lüsternen Zwinkern, das sich vor der inncrnStimme fürchtet, lag die ganze Verschiedenheit un-serer Gefühlsweisc. Börne nämlich war, wenn auchnicht in seinen Gedanken, doch desto mehr in seinenGefühlen, ein Sklave der nazarcnischen Abstinenz; undwie es allen Leuten seines Gleichen geht, die zwardie sinnliche Enthaltsamkeit als höchste Tugend an-erkennen, aber nicht vollständig ausüben können, sowagte er es nur im Verborgenen, zitternd und er-röthcnd, wie ein genäschiger Knabe, von Eva's ver-botenen Äpfeln zu kosten. Ich weiß nicht, ob beidiesen Leuten der Gcnuss intensiver ist, als bei uns,die wir dabei den Reiz des geheimen Untcrschlcifs,der moralischen Konterbande, entbehren; behauptetman doch, dass Muhnmmcd seinen Türken den Weinverboten habe, damit er ihnen desto süßer schmecke.

In großer Gesellschaft war Börne wortkargund einsilbig, und dem Fluss der Rede überließ ersich nur im Zwiegespräch, wenn er glaubte, sichneben einem gleichgcsinntcn Menschen zu befinden.Dass Börne mich für einen Solchen ansah, warein Jrrthnm, der späterhin für mich sehr viele Ver-drießlichkeiten zur Folge hatte. Schon damals inFrankfurt harmonierten wir nur im Gebiete derPolitik, keineswegs in den Gebieten der Philosophie