Gedanken und Einfälle. 177
in Frankreich, allmählich die Oberhand gewinnen und für einige Zeitihr Regiment befestigen werden. Ich sage: für einige Zeit, denn jeneplebejischen Republiken, wie unsere Radikalen sie träumen, könnensich nicht lange halten , , , Indem wir mit Gewißheit ihre kurzeDaner voraussehen, trösten wir uns ob der Fortschritte deS Republi-kanismus, Er ist vielleicht eine notwendige llbergangsform, undwir wollen ihm gern den verdrießlich eingepupptcu Naupenzustnndverzeihen, in der Hoffnung, daß der Schmetterling, der einst daraushervorbricht, desto farbenreicher beflügelt seine Schwingen entfaltenund im süßen Sonnenlichte mit allen Lebensblumen spielen wird!Wir sollten euch eigentlich wie griesgrämige Bäter behandeln, derenzugeknöpft pedantisches Wesen zwar unbequem für weltlustige Söhne,aber dennoch nützlich ist für deren künftiges Etablissement, Aus Pietät,wenn nicht schon aus Politik, sollten wir daher nur mit einer ge-wissen Zurückhaltung über jene trüben Käuze unsere Glossen aus-sprechen, Wir wollen euch sogar ehren, wo nicht gar unterstützen,nur verlangt nicht zuviel, und werdet keine Brutusse an uns, w°ennetwa eure allzu einfache «suppcn uns nicht munden, und wenn wirmanchmal zurück schmachten nach der Küche der Tarquinier!
Sonderbar! wir wiegen und trösten uns mit dieser Hypothesevon einer kurzen Dauer des republikanischen Regiments in derselbenWeise, wie jene greisen Anhänger des alten Regimes, die aus Ver-zweiflung über die Gegenwart nur in dem Siege der Republikanerihr Heil sehen, und tun Heinrich V, auf den Thron zu bringen, mitTodesverachtung die Marseillaise anstimmen . . .
Oü ulls^-vous, rnousisur I 'udkzä?
Vous a,1Is2-vous ousssr Is us^!
Für die Güte der Republik könnte man denselben Beiveis anführen,den Boccaccio für die Religion anführt: sie besteht trotz ihrer Beamten.
Der geheime Haß der höchsten Republikbeamtcn gegen die Republikgleicht dem geheimen Hasse der vornehmen Römer, die als Bischöfeund Prälaten ihre alte AuctoritaS fortsetzen mußten.
Die Franzosen sind sicherer im Umgang, eben weil sie positivund traumlos — der träumende Deutsche schneidet dir eines Morgensein finsteres Gesicht, weil ihm geträumt, du hättest ihn beleidigt, odersein Großvater hätte von dem deinigen einen Fußtritt bekommen.
Heine's Werke. XII. Bd. 12