Druckschrift 
11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

— 268 —

einem schwefelgelben Blitz der Ironie. Das Bestedarin ist ein Hexensabbath, wo der Teufel Messeliest und die katholische Kirchenmusik mit der schauer-lichsten, blutigsten Posscnhaftigkcit parodiert wird.Es ist eine Farce, wobei alle geheimen Schlangen,die wir im Herzen tragen, freudig emporzischen.Mein Logcnnachbar, ein redseliger junger Mann,zeigte mir den Komponisten, welcher sich am äußer-sten Ende des Saales in einem Winkel des Orche-sters befand und die Pauke schlug. Denn die Paukeist sein Instrument. „Sehen Sie in der Avant-sccne," sagte mein Nachbar, „jene dicke Engländerin?Das ist Miss Smithson; in diese Dame ist HerrBerlioz seit drei Jahren stcrbcnsvcrliebt, und dieserLeidenschaft verdanken wir die wilde Symphonie,die Sie heute hören." In der That, in der Avant-sccnc-Loge saß die berühmte Schauspielerin vonCovcntgarden; Berlioz sah immer unverwandt nachihr hin, und jedesmal, wenn sein Blick dem ihrigenbegegnete, schlug er los aus seine Pauke, wie wü-thend. Miss Smithson ist seitdem Madame Berliozgeworden, und ihr Gatte hat sich seitdem auch dieHaare abschneiden lassen. Als ich diesen Winter imConscrvatoirc wieder seine Symphonie hörte, saßer wieder als Paukenschläger im Hintergründe desOrchesters, die dicke Engländerin saß wieder in der