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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
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tcr mitgebracht haben und gelinde schwärmen wal-len, ohne dass ihnen eine Masche fällt. Und alleZuschauer besitzen jene deutsche Tugend, die unsangeboren oder wenigstens anerzogen wird, Geduld.Auch geht man bei uns ins Schauspiel, um dasSpiel der Komödianten, oder, wie wir uns aus-drücken, die Leistungen der Künstler zu beurthcilcn,und Letztcrc liefern allen Stoff der Unterhaltungin unseren Salons und Journalen. Ein Franzosehingegen geht ins Theater, um das Stück zu sehen,um Emotionen zu empfangen; über das Dargestelltewerden die Darsteller ganz vergessen, und wenig istüberhaupt von ihnen die Rede. Die Unruhe treibtden Franzosen ins Theater, und hier sucht er amallerwenigsten Ruhe. Ließe ihm der Autor nur einenMoment Ruhe, er wäre kapabcl, Azor zu rufen,was auf Deutsch pfeifen heißt. Die Hauptaufgabefür den französischen Bühnendichter ist also, dasssein Publikum gar nicht zu sich selber, gar nichtzur Besinnung komme, dass Schlag auf Schlag dieEmotionen herbeigeführt werden, dass Liebe, Hass,Eisersucht, Ehrgeiz, Stolz, Uoint cl'Iwnnorn-, kurzalle jene leidenschaftlichen Gefühle, die im wirklichenLeben der Franzosen sich schon tobsüchtig genug ge-bärden, auf den Brettern in noch wilderen Rase-reien ausbrechen.