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fast immer Jungfrauen, in der französischen Tra-gödie sind cö vcrhcirathcte Weiber, und die kom-plicicrtcrcn Verhältnisse, die hier eintreten, eröffnenvielleicht einen freieren Spielraum für Handlungund Passion.
Es wird mir nie in den Sinn kommen, diefranzösische Tragödie auf Kosten der deutschen, oderumgekehrt, zu preisen. Die Literatur und die Kunstjedes Landes sind bedingt von lokalen Bedürfnissen,die man bei ihrer Würdigung nicht unberücksichtigtlassen darf. Der Werth deutscher Tragödien, wie dievon Goethe, Schiller, Kleist, Jmmcrmann, Grabbc,Ochlcnschläger, Uhland, Grillparzer, Werner unddergleichen Großdichtcrn besteht mehr in der Poesie,als in der Handlung und Passion. Aber wie köst-lich auch die Poesie ist, so wirkt sie doch mehr aufden einsamen Leser, als auf eine große Versamm-lung. WaS im Theater auf die Masse des Publi-kums am hinreißendsten wirkt, ist eben Handlungund Passion, und in diesen beiden cxcellicrcn diefranzösischen Traucrspicldichter. Die Franzosen sindschon von Natur aktiver und passionierter als wir,und es ist schwer zu bestimmen, ob es die ange-borene Aktivität ist, wodurch die Passion bei ihnenmehr als bei uns zur äußeren Erscheinung kommt,oder ob die angeborene Passion ihren Handlungen