^ Venus. 70.
sie eine der leichtesten , wenn man nur einige diesem Zwecke angemesseneBeobachtungen vorausschickt, wie ich sogleich näher zeigen werde."
„Vor vierzig Jahren (im I. 1677) war ich auf der Insel St. He-lena, um daselbst die Sterne des südlichen Himmels zu beobachten. Zu,fällig ereignete sich in dieser Zeit ein Durchgang des Merkur vor derSonnenscheibe. Indem ich ihn mir einem guten Fernrohre beobachtete,bemerkte ich bald, dasi sich diese Beobachtungen mit einer ganz besonderenSchärfe ausführen lassen. Dabei fiel mir ein, dasi sich durch diese Be-obachtungen wohl die Parallaxe des Merkurs gut besiimmen lagenwürde, die beträchtlich größer seyn muß, als die der Sonne, da Merkurin seiner unteren Conjuncrion der Erde so viel näher steht. Aber ichsah auch bald, dasi die Differenz der Parallaxe Merkurs und der Sonnekleiner ist, als die Parallaxe der Sonne, und dasi daher auf diesemWege nicht viel Gutes zu erwarten senn wird." ")
„Aber bei der VenuS, fiel mir ein, ist diesi Verhältniß viel günsti-ger, da ihre Parallaxe viel größer ist, als die deS Merkur, und da mansie also auch von verschiedenen Punkten der Erde an verschiedenen Stel-len der Sonnenscheibe sehen muß. Sollte sich aber nicht aus eben dieserVerschiedenheit der Stellen die Sonnenparallaxe selbst, durch die sie dochverursacht werden, wieder rückwärts finden lassen?"
„Diese Beobachtungen bedürfen, wie man von selbst sieht, keinerbesonders kostbaren Instrumente. Ein gutes Fernrohr und eine guteUhr, weiter braucht es nichts. Die geographische Breite des Orts darfnur ohnehin bekannt seyn, da sie auf die Erscheinung keinen so wesent-lichen Einfluß hat, und die geographische Länge kann man beinahe ganzentbehren, da man nichts als die Dauer der Beobachtung, d. h. alsdie Zeit zu kennen braucht, die zwischen dem Ein - und Austritt der Ve-nuS verfließt, ohne die absoluten Momente dieser Erscheinungen selbstzu kennen."
„Der erste der nachstkünftigeu Durchgänge der Venus wird am26sten Mai 176l statt haben. An diesem Tage, wenn es in Londonzwei Uhr des Morgens ist, wird Venus in die Sonne treten und umzehn Uhr des Vormittags wird sie wieder aus treten. Die Dauer desganzen Durchgangs wird also acht Stunden seyn, und wir in Londonwerden den Eintritt nicht sehen, weil wir zu dieser Zeit noch Nacht ha-ben. Aber wenn die Sonne gegen sechs Uhr aufgehen wird, werden wirdie Venus beinahe in der Nkitte der Svnnenscheibe erblicken. Die Be-wohner von Norwegen aber, und wohl auch die vom nördlichen Schott-land, für welche die Sonne, wenn es in London zwei Uhr ist, schon auf-gegangen seyn wird, diese werden den Eintritt und sonach die ganzeDauer der Erscheinung sehen. In Ostindien aber, am Ausflusse desGanges, wird die Sonne beinahe im Zenithe dieses Landes stehen, zuder Zeit, wo die Bewohner deS Landes die Venus eben in der Mitteder Scheibe sehen, und es läßt sich leicht durch Rechnung zeigen, daßhier die Dauer des ganzen Durchgangs, durch die Wirkung der Pa-
5°) Die Parallaxe Merkurs ist bei seines, untern Eoniunctionen 17", unddie Parallare der Sonne setzte Halle» noch gleich 12" voraus. DieDifferenz beider ist 5", also mehr als die Hälfte kleiner als die ange-nommene Sonnenparallaxe. Bei der Venus aber nahm er die Parallaxe,lZ", und -15 weniger 12, oder ZI" ist nahe dreimal größer als jeneSonnenparallaxe/ /