198
Nächste Folgen d. elliptischenBeweguug d. Planeten.
tz. 158.
Nehmen wir an, man hätte durch drei auf einander folgende Tagefür den Augenblick des wahren Mittags den Stand der Uhr gegenwahre Zeit gefunden
1. Tag . . . 9" 3' 15"
2. — ... 9" 3' 27"
3. — ... 3' 39"
Hat man nun, am Abend des zweiten Tags, irgend eine andereBeobachtung, z. B. die einer Finsterniß, zu einer Zeit gefunden, wo dieUhr 4 St. 2tt 36".9 zeigte, und soll nun gesucht werden, um welchewahre oder mittlere Zeit diese Beobachtung angestellt worden ist^ so wirdman so verfahren: — Die Uhr gab am Mittag des zweiten Tags um3' 27" zu viel gegen wahre Zeit. Da sie ferner, wie die vorhergehendekleine Tafel zeigt, während jedem wahren Sonnentag, d. h. wahrend24 St. 9" 12" Uhrzeit, um 12" vorausgeht, und da jene Finsterniß um4 St. 18' 19" nach dem wahren Mittag beobachtet wurde, so hat man
die einfache Proportion
24 St. 0' 12" : 12" — 4 St. 18' 1»" : Xoder x — 2".1, das heißt, zur Zeit jener Beobachtung gab die Uhrgegen wahre Zeit zu viel um 3' 27" st- 2".1 oder um 3' 29".1, also istauch die wahre Zeit der Beobachtung 4^ 18' 7".8. Kennt man nunauch, nach §. 156, die Zeitgleichung für diese wahre Zeit, und beträgt siez. B. st- 2' 39".2, so ist jauch die mittlere Zeit der beobachteten Fin-sterniß 4^ 29' 38".99.
H. 158. (Einführung der mittleren Zeit in das bürgerliche Leben.) Indieser mittleren Zeit pflegen die Astronomen alle ihre Beobachtungenanzugeben, vbschon sie dieselbe alle unmittelbar, entweder in wahrer odervielmehr, wie wir bald sehen werden, in Sternzeit gefunden haben. Inderselben mittleren Zeit werden auch alle Elemente und Tafeln der Pla-neten berechnet. So beziehen sich die Umlaufszeiten des H. 199 und 149,die täglichen Bewegungen des H. 142 und H. 144 durchaus nur aufmittlere Zeit und mittlere Sonnentage. Eettst im bürgerlichen Lebenhat man, wenigstens in den grvßeru Städten Europa's, diese mittlereZeit bereits eingeführt, indem mau den Bewohnern derselben, meistensvon den Sternwarten dieser Städte, jeden Tag den Augenblick des mitt-leren Mittags durch ein besonderes Zeichen anzugeben pflegt, so, daß sieihre Uhren, und dadurch auch ihre Geschäfte, nur nach der mittlerenZeit richten, während unsere Vorfahren, die sich an die wahre Zeit hielten,ihre Uhren, selbst wenn sie vollkommen gut, d. h. gleichförmig gingen, anjedem wahren Mittage wieder neu einstellen oder, mit andern Worten,ihre Uhren durch diese immerwährende Correcrion verderben mußten,um sie dadurch zu zwingen, mit der ungleichförmig gehenden Sonnegleichen Schritt zu halten.
Unsere Sonnenuhren z. B., nach 'welchen leider noch die meistenunserer Uhrmacher sich zu richten pflegen, weil sie die besseren Mittel,ihre Zeit zu bestimmen, nicht kennen, geben natürlich nur die wahreZeit an, und man muß daber die Zeitgleichung für alle Mittage desJahrs kennen, um daraus die mittlere Zeit jedes wahren Mittags zufinden, wenn man die Uhr, wie es seyn soll, mir dieser mittleren Zeitvergleichen will. Zwar hat man auch eigene Vorrichtungen an mehrerenSonnenuhren angebracht, durch welche man aus dem Endpunkte desSchattens, welchen ihre Stiele werfen, auch die mittlere Zeit des