§. 39. Jährliche Bewegung der Sonne. zy
scheinung in der Erde liegt, die sich in derselben Zeit, aber in entgegen-gesetzter Richtung, von West gegen Ost, um ihre Ave dreht, währendher sie rings umgebende Himmel mit seinen Sternen in Ruhe bleibt.Allein wenn wir diese Gestirne einzeln näher betrachten, so finden wirbald, daß einige derselben eine merkwürdige Ausnahme von dieser all-gemeinen Ruhe des Himmels machen. Bei weitem die meisten Sternekommen nämlich in der That am Ende eines jeden Tags, immer wiedergenau an denselben Ort, wo wir sie am Ende der vorhergehenden Tagegesehen haben. Auch behalten sie unter sich selbst immer dieselbe Lageunverändert bei, so daß z. B. solche Sterne, welche eine gerade Linie,ein Dreieck, einen Kreis unter sich bilden, diese Gestalt ihrer Gruppirungam Himmel nicht weiter ändern. Aber unter diesen in der That zahllo-sen Sternen, die ihren Ort am Himmel gleichsam fixirt haben, und dieman daher Fixsterne nennt, gibt es doch auch einige, welchen dieseBenennung nicht zukömmt, da man sie ihre Stelle am Himmel ändern,und mit verschiedenen Geschwindigkeiten nnd nach allen Richtungen voneinem Fixsterne zum andern wandern sieht. Man hat sie daher Wan-delsterne oder Planeten (nXavcw, herumschweifeu) genannt. Ein sol-ches Gestirn ist z. B. der Mond. Wenn man ihn durch mehrere auf-einanderfolgende Nächte nur mit einiger Aufmerksamkeit betrachtet, sofindet man, daß er unter den fixen Gestirnen des Himmels von Westgen Ost mit einer gewissen, sehr auffallenden Regelmäßigkeit fortgeht;daß die Sterne, bei welchen wir ihn z. B. gestern um Mitternacht sa-hen, heute um dieselbe Zeit schon nahe dreizehn Grade westlich von ihmstehen, und daß er überhaupt seinen östlichen Umlauf an dem gestirntenHimmel in nahe 27'/4 Tagen vollendet. Aehnliche, nur bei weitem we-niger regelmäßige Bewegungen bemerken wir noch an einigen anderenHimmelskörpern, die wir weiter unten näher kennen lernen werden. Jaselbst die Sonne scheint zu diesen Wandelsternen zu gehören, da auchsie ihren Ort unter den Sternen des Himmels mit jedem Tage ändert.
H. 39. (Woran die Bewegung der Sonne erkannt wird.) Es mag al-lerdings schon etwas mehr Aufmerksamkeit und Ueberlegung erforderthaben, diese Bewegung der Sonne zu erkennen, weil nämlich dieserWeltkörper Alles um sich her verfinstert, oder vielmehr Alles so mit sei-nem Lichte erfüllt, daß dadurch die Sterne, diese festen Punkte des Him-mels , mit welchen man den täglichen Stand der Sonne vergleichenkönnte, ganz unsichtbar werden. Allein, wenn auch diese Sterne, welchewir an unserm nächtlichen Himmel erblicken, unter sich selbst immerdieselbe Lage behalten, so sieht man doch auch nicht zu allen Zeiten im-mer dieselben Sterne. Das Schauspiel, welches sie uns darbieten, ver-ändert sich mit jedem Tage Etwas, und völlig derselbe Auftritt kömmtgenau um dieselbe Jahreszeit wieder. So sehen wir z. B. das schöneund allgemein bekannte Sternbild Orion's in der Mitte des Dezem-bers genau um Mitternacht am höchsten über dem Horizonte, oder imMeridian (Einl. 14). Allein vierzehn Tage darauf, oder im Anfangeeines jeden neuen Jahres erblicken wir dieses Sternbild schon viel frü-her an jenem Orte, nämlich um 10 U. 48 M. Abends; am 1. Februarnoch früher, um 8 U. 46 M.; am 1. März schon um 7 U. 0 M. n. s. w.,so daß also dieses Sternbild am Ende eines jeden Monats zur Zeit derMitternacht um nahe 30 Grade weiter gegen Westen steht, als es amAnfange dieses Monats stand. In der Mitte des März ist es schon soweit gegen West vorgerückt, daß die Mitte dieses Sternbildes, oder dersogenannte Jakobsftab, zur Zeit der Mitternacht bereits untergeht. Aufdieselbe Weise wird man bemerken, daß solche Sternbilder, die in einer