^ Tägliche Bewegung der Erde. tz. z?>
Venus und Mars beinahe in einem Tag, wie unsere Erde, und Jupiterendlich, der größte unter allen Planeten, und beinahe I300mal größer alsdie Erde, vollendet seine Notation schon in 9^/,» Stunden. Ein Beobachteraus der Oberfläche dieses Planeten würde also den ganzen Himmel inder kurzen Zeit von noch nicht zehn vollen Stunden um sich rotiren se-hen, und doch würde diese Erscheinung für ihn nichts als eine leere Täu-schung seyn, da nicht der Himmel, sondern Er selbst es ist, der sichsammt seinem Wohnort um die Are desselben dreht. Diese schnelle No-tation Jupiters hat auch eine sehr starke Abplattung seiner ebenfalls nahekugelförmigen Gestalt zu Folge, die wir mit unseren Fernröhren, ob ergleich selbst in seiner größten Nähe noch über 85 Millionen Meilen vonuns entfernt ist, nicht nur deutlich sehen, sondern auch noch mit großerSchärfe messen können, und die den vierzehnten Theil seines Halbmefiersoder 670 Meilen ausmacht, während sie bei der Erde, wie wir oben ge-sehen haben, nur drei Meilen beträgt. — Wenn wir also diese Notationund die unmittelbare Folge derselben, die Abplattung an deu Polen,bei so vielen anderen Himmelskörpern bemerken, warum sollten wir sie,der Analogie gemäß, nicht auch bei unserer Erde voraussetzen dürfen?
§. 37. (Einwürfe gegen die Notation der Erde.) Aber, ;o vieleGründe sich auch für die Existenz dieser Rotation häufen laßen mögen,noch ist ein Einwurf unbeantwortet, den unsere Leser schon längst imStillen gemacht haben werden. — „Aber warum fühlen wir denn dieseBewegung der Erde nicht?" werden sie fragen.
Dieser Frage könnte man sofort mit einer andern begegnen: „Wassollen wir denn von dieser Bewegung fühlen?" — Doch nicht etwa dasRütteln und die Stöße derselben, die hier gar nicht Statt haben, da ge-rade diese Bewegung vielleicht die einzige in der Natur ist, welche mitimmer gleicher Geschwindigkeit und ohne allen Stoß vor sich geht. Füh-len wir doch auch die Bewegung des Schiffes nicht, wenn es über denglatten Wasserspiegel hingleitet, obschon wir dessenungeachtet dieser Be-wegung sehr gewiß sind, weil wir alle Gegenstände am Ufer vor unsvorübereilen sehen, die doch, wie wir wohl wissen, unbeweglich auf den-selben stehen. Und doch ist die Bewegung des Schiffes noch lange nichtso gleichförmig, wie die der Erde, da das Schiff nicht selten von Windund Wellen hin und her getrieben wird, und seinen Lauf so oft ändert.Ueberhaupt sind die natürlichsten und gewöhnlichsten Bewegungen beinaheimmer auch zugleich diejenigen, welche wir am wenigsten empfinden, undvon deren Daseyn wir oft nichts ahnen. Dieß begegnet uns nicht bloß,wie wir später noch oft sehen werden, in der physischen, sondern selbstin der moralischen Welt. Welche innere Bewegungen sind wohl gewöhn-licher und stärker zugleich, als die der Eigenliebe, und wie selten sindwir uns dieser Triebfeder beinahe aller unserer Handlungen bewußt, wennwir uns schmeicheln, sie ans ganz anderen, und viel edleren Gründenunternommen zu haben. — Uebrigens ist jenes Beispiel eines auf derruhigen Wasserfläche hingleitenden Schiffes, ein sehr treues Bild unserergemeinschaftlichen Fahrt auf dem Weltenschiffe, der Erde, die wir, wennwir sie gleich nicht unmittelbar fühlen, doch sehr gut in dem schnellenVorübereilen der festen Inseln, und der glänzenden Körper erkennen, welcheaus dem unermeßlichen Ocean des Himmels hervorragen. Außer un-serem Schiffe scheint Alles in Bewegung, wenn gleich in der That Allesstille steht; in demselben aber, wo sich Alles zugleich mit uns bewegt,können wir diese Bewegung unseres Schiffes nicht bemerken, nicht ein-mal an der Luft, die wir athmen, weil die Atmosphäre der Erde sich