Einleitung.
Diese Verwirrung wird noch größer, wenn wir bedenken, daß alle astro-nomischen Bestimmungen der Orte, welche die Planeten am Himmeleinnehmen, sich auf die Ebene der Bahn, welche die Erde um die Sonnebeschreibt oder auf die Ebene der Ecliptik beziehen, und daß diese letzteEbene selbst wieder, durch ähnliche Wirkungen aller übrigen Planetenans die Erde, in ihrer Lage auf gar mannigfaltige Weise verändertwird. Durch Jupiters Einwirkung z. B. wird die Ebene der Erdbahnverrückt, und dieß hat die nothwendige Folge, daß auch die Neigungender übrigen Planetenbahnen und ihrer Durchschnittslinien mit der Eclip-tik sich ändern, selbst wenn jene Planetenbahnen an sich unveränderlichwären, was sie doch nicht sind, da auch sie wieder denselben Wirkungenaller andern Planeten ausgesetzt seyn müssen. Eine ähnliche Wirkung,wie die des Jupiter auf die Erdbahn, werden auch alle übrigen Pla-neten äußern, ja selbst diese Wirkungen eines und desselben Planetenwerden wieder, mit der Folge der Zeiten, sich ändern müssen, wenn durchdie vorhergehenden Einwirkungen aller Planeten die Erdbahn eine ganzandere Lage am Himmel erhalten haben wird. — Wie ferner die Um-drehung der Erde um ihre Axe die tägliche, wenn gleich nur scheinbareUmwälzung des ganzen Srernenhimmels zur Folge hat, eben so wirdauch die geringste Verrückung in der Lage dieser Erdaxe (und wir wer-den mehrere derselben kennen lernen) die ganze Sphäre des Himmelserschüttern, den Anfangspunkt, von dem wir alle Distanzen und Winkelzählen, verrücken, alle Orte am Himmel verändern und aus dem letztender Gestirne das erste, aus dem ersten das letzte machen, so daß andiesem Himmel, an welchem wir früher nur Ordnung und Harmonie zubewundern gewohnt waren, alles Unordnung und Verwirrung seyn, unddaß, in dem verwickelten Gewühle aller dieser sich selbst durchkreuzendenBewegungen, sogar die Gränzsteine, durch welche wir früher die großeKarte des Sternengewolbes entwerfen wollten, sich verrücken und amEnde auch nicht ein einziger Punkt in Ruhe bleiben wird, durch den wirden seine Gestalt in jedem Augenblicke verändernden Proteus zu fesselnhoffen dürfen. Bedenken wir noch, daß wir alle diese chaotischen Ver-wirrungen nicht von einem festen Standpunkte, sondern von der Erdebeobachten, die sich selbst wieder täglich um ihre eigene Axe und jährlichum die Sonne bewegt, und die überdieß mit einer dichten Lufthülle,der Ursache von unzähligen optischen Täuschungen, umgeben ist, durchwelche nur kein einziges jener Gestirne an dem Orte erblicken, den esin der That am Himmel einnimmt.
Und doch enthält dieß alles nur einen kleinen Theil der Hindernisse,welche bereits die Astronomie besiegt hat, mtd in der Folge noch zu be-siegen hoffen darf. Aber es wird hinreichen, zu zeigen, welcher Aufwandvon geistiger Kraft erfordert wurde, jenes erhabene Ziel allerdings nichtzu erreichen, aber doch ihm so nahe zu kommen, als wir in der Thatgekommen sind. Viel, in der That, ist bereits gethan worden, aberVieles ist auch noch zu thun,
mnltiim ozseris restat,
und an unsern Enkeln wird es seyn, den Schatz, den sie von ihren Vor-fahren übernommen, zu bewahren und das reiche Erbe durch ihre eigeneKraft zu vermehren. Seit dem Anfange unserer Menschengeschichte sinderst einige Jahrtausende verflossen, das Geschlecht ist noch zu jung unddie Erde zu neu, um größere Forderungen an sie zu stellen. Noch istun>tw Auge zu schwach und unser Blick zu beschränkt, um einen größe-ren .Hherl des unendlichen Ganzen zu übersehen, das vor uns ausgebrei-tet rst. Wrr müssen uns, wie es Kindern, wie es Anfängern ziemt,