Ländern, aber es ist ein Kultus ohne heiligen Re-spekt; die Franzosen tanzen ebenfalls um das goldeneKalb, aber ihr Tanzen ist zugleich Spott, Persifflage,Selbstverhöhnung, eine Art Kankan. Es ist Dieseseine merkwürdige Erscheinung, erklärbar theils ausder generösen Natur der Franzosen, theils auchaus ihrer Geschichte. Unter dem alten Regime galtnur die Geburt, nur die Ahnenzahl gab Ansehen,und die Ehre war eine Frucht des Stammbaums.Unter der Republik gelangte die Tugend zur Herr-schast, die Armuth ward eine Würde, und, wie vorAngst, so auch vor Scham, verkroch sich das Geld.Aus jener Periode stammen die vielen dicken Sou-stücke, die ernsthaften Kupfermünzen mit den Sym-bolen der Freiheit, so wie auch die Traditionen vonpekuniärer Uneigennützigkcit, die wir noch heutigenTages bei den höchsten Staatsverwaltern Frankreichsantreffen, swie z. B. bei Mols, bei Guizot, beiThiers, dessen Hände eben so rein sind, wie dieder Revolutionsmänner, die er gefeiert.j Zur Zeitdes Kaiserthums florierte nur der militärische Ruhm,eine neue Ehre ward gestiftet, die der Ehrenlegion,deren Großmeister, der siegreiche Imperator, mitVerachtung herabschaute auf die rechnende Krämer-gilde, auf die Lieferanten, die Schmuggler, die Stock-jobbers, die glücklichen Spitzbuben. Während der
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10 (1862) Französische Zustände : Th. 3, Die parlamentarische Periode des Bürgertums. Hälfte 2
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