Ueber den Leibeigenthum.
die Leibeigenschaft sich nicht mehr mit misrer jetzi-gen Denkungsart vertragen will, und jeder Philosophdieselbe aus dein Kreise der Menschheit verbannt zu sehenwünschet, so verlohnt es sich wohl der Mühe, einmaldarauf zurückzugehen, was der schlichte Menschenver-stand, mit andern Worten, die Praris, welche so gerndie kürzesten Wege wühlt, für Ursachen gehabt habe,eine so gehässige Sache einzuführen, und falls diesejetzt noch bestehen sollten, zu versuchen, ob nicht derZweck der Leibeigenschaft auf eine andre Art erreichetwerden könne. Ich denke mir die Sache folgendermaßen:
1) Ein Hausvater hatte einen Schafer, dem erbisher erlaubt hatte einige Schafe bey der Heerdc zuhalten. Wie er aber merkte, daß die Schafe des Schä-fers immer die besten waren, und daß alles was beyder Hccrde fiel, ihm in Abrechnung gebracht wurde, soVerbot er dem Schäfer eigne Schafe bey der Hecrdezu halten.
2) Ein Andrer lohnte sein Gesinde mit Korn undbesacte für jedes derselben einen Morgen mit Winterkorn,und einen mit Sommerkorn, weil das Geld zu dieserZeit noch selten war. Auf einmal glaubte er einen Theildes scinigen vom Boden zu vermissen, und wie er beyder hierauf vorgenommenen Untersuchung die Kisten sei-nes