226 Deutschland.
„Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
Der diesen Saft der RebenErschuf, und zum Verleger mirDen Julius. Campe gegeben!
„Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
Der durch fein großes WerdeDie Austern erschaffen in der SeeUnd den Rheinwein auf der Erde!
„Der auch Citronen wachsen ließ,
Die Austern zu betauen —
Nun laß mich, Vater, diese NachtDas Essen gut verdauen!"
Der Rheinwein stimmt mich immer weich,Und löst jedwedes ZerwürfnisIn meiner Brust, entzündet darinDer Menschenliebe Bedürfnis.
Es treibt mich aus dem Zimmer hinaus,Ich muß in den Straßen schlendern;
Die Seele sucht eine Seele und spähtNach zärtlich weißen Gewandern.
In solchen Momenten^ zerfließe ich fastVor Wehmut und vor Sehnen,
Die Katzen scheinen mir alle grau,
Die Weiber alle Helenen.
Und als ich auf die Drehbahn kam,
Da sah ich im MvndenschimmerEin hehres Weib, ein wunderbarHochbusiges Frauenzimmer.
Ihr Antlitz war rund und kerngesund,Die Augen wie blaue Turkvase,
Die Wangen wie Rosen, wie Kirschen der Mund,Auch etwas rötlich die Nase.
Ihr Haupt bedeckte eine Mütz'
Von weißem gesteiften Linnen,
Gefältelt wie eine Maucrkron',
Mit Türmchen und zackigen Zinnen.
Sie trug eine weiße Tunika,
Bis an die Waden reichend.
Und welche Waden! Das FußgestellZwei dorischen Säulen gleichend.