Deutschland. 131
Die steinernen Hänser schauten mich an,
Als wollten sie mir berichtenLegenden aus altverschollener Zeit,
Der heil'gen Stadt Köllen Geschichten.
Ja, hier hat einst die KleriseiIhr frommes Wesen getrieben,
Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
Die Ulrich von Hutten beschrieben.
Der Cancan des Mittelalters ward hierGetanzt von Nonnen und Mönchen;
Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln,Die gift'gen Dennnziatiönchen.
Die Flamme des Scheiterhanfens hat hierBücher und Menschen verschlungen;
Die Glocken wurden geläutet dabeiUnd Kyrie Eleison gesungen.
Dummheit und Bosheit buhlten hierGleich Hunden ans freier Gasse;
Die Enkelbrnt erkennt man noch heutAn ihrem Glanbcnshasse.
Doch siehe! dort im MondenscheinDen kolossalen Gesellen!
Er ragt so verteufelt schwarz empor,
Das ist der Dom von Köllen.
Er sollte des Geistes Bastille sein,
Und die listigen Römlinge dachten:
„In diesem Riesenkerker wirdDie deutsche Vernunft verschmachten!"
Da kam der Luther, und er hatSein großes „Halt!" gesprochen —
Seit jenem Tage blieb der BauDes Domes unterbrochen.
Er ward nicht vollendet — und das ist gut.
Denn eben die NichtvollendnngMacht ihn zum Denkmal von Deutschlands KraftUnd protestantischer Sendung.
Ihr armen Schelme vom Dvmverein,
Ihr wollt mit schwachen HändenFortsetzen das unterbrochene Werk,
Und die alte Zwingburg vollenden!