Deutschland. 18!?
Frankreich wird unS alsdann zufallen, ganz Europa, die ganze Welt— die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung undliniversalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter Eichenwandle. Das ist mein Patriotismus.
Ich werde in einem nächsten Buche auf dieses Thema zurück-kommen, mit letzter Entschlossenheit, mit strenger Rücksichtslosigkeit,jedenfalls mit Loyalität. Den entschiedensten Widerspruch werde ichzu achten wissen, wenn er aus einer Überzeugung hervorgeht. Selbstder rohesten Feindseligkeit will ich alsdann geduldig verzeihen; ichwill sogar der Dummheit Rede stehen, wenn sie nur ehrlich gemeintist. Meine ganze schweigende Verachtung widme ich hingegen demgesinnungslosen Wichte, der aus leidiger Scheelsucht oder unsaubererPrivatgiftigkcit meinen guten Leumund in der öffentlichen Meinungherabzuwürdigen sucht, und dabei die Maske des Patriotismus, Ivonicht gar die der Religion und der Moral, benutzt. Der anarchischeZustand der deutschen politischen und littcrarischen Zeitungsblätterwcltward in solcher Beziehung zuweilen mit einem Talente ausgebeutet,das ich schier bewundern mußte. Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot,er lebt noch immer und steht seit Jahren an der Spitze einer wohl-organisierten Bande von litterarischen Strauchdieben, die in den böh-mischen Wäldern unserer Tagcsprcsse ihr Wesen treiben, hinter jedemBusch, hinter jedem Blatt versteckt liegen und dem leisesten Pfiff ihreswürdigen Hauptmanns gehorchen.
Roch ein Wort. Das „Wintermttrchen" bildet den Schluß der„Neuen Gedichte", die bei Hoffmann und Campe erschienen. Um denEinzeldruck veranstalten zu können, mußte mein Verleger das Ge-dicht den überwachenden Behörden zu besonderer Sorgfalt überliefern,und neue Varianten und Äusmerzungen sind das Ergebnis dieserhöheren Kritik.
Hamburg, deu 17. September 1314.
Heinrich Heine.