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2 (1898) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
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Aus der Vorrede

zur zweiten Auflage des zweiten Bandes derReiscinlder".")

Die neuen Frühlingslieder übergebe ich um so anspruchloser,da ich wohl weiß, daß Deutschland keinen Mangel hat an dergleichenlyrischen Gedichten. Außerdem ist eS unmöglich, in dieser Gattungetwas Besseres zu geben, als schon von den älteren Meistern ge-liefert worden, namentlich von Ludwig Uhland, der die Lieder derMinne und des Glaubens so hold und lieblich hervorgesungen ausden Trümmern alter Burgen und Klosterhallen. Freilich, diesefrommen und ritterlichen Töne, diese Nachklänge des Mittelalters,die noch unlängst in der Periode einer patriotischen Beschränktheitvon allen Seiten wiederhallten, verwehen jetzt im Lärmen der neuestenFreiheitskämpfe, im Getöse einer allgemeinen europäischen Völker-verbrüderung, und im scharfen Schmcrzjübcl jener modernen Lieder,die keine katholische Harmonie der Gefühle erlügen wollen und viel-mehr jakobinisch unerbittlich die Gefühle zerschneiden, der Wahrheitwegen. Es ist interessant, zu beobachten, wie die eine von den beidenLiedcrartcn je zuweilen von der andern die äußere Form abborgt.Noch interessanter ist es, wenn in ein und demselben Dichterherzensich beide Arten verschmelzen.

Ich weiß nicht, ob dieErato" des Frciherrn Franz von Gaudyund dasSkizzenbuch" von Franz Kugler schon die gebührende An-erkennung gefunden; beide Büchlein, die erst jüngst erschienen, habenmich so innig angesprochen, daß ich sie in jedem Fall ganz besondersrühmen muß.

Ich würde mich vielleicht noch weitläufig über deutsche Dichteraussprechen, aber einige andere Zeitgenossen, die jetzt damit be-schäftigt sind, die Freiheit und Gleichheit in Europa zu begründen,nehmen zu sehr meine Aufmerksamkeit in Anspruch.

Paris, den so. Juni 18Z1.

Heinrich Heine.

ch DieNeuer Frühling" überschrieben«! Lieder waren zuerst daselbst eingereiht.