1 g8 Buch der Lieber.
Namsgate.
Ein ungeheurer Kalkfelscn, gleich einem schönen weißen Frauen-busen, erhebt sich über dein Meere, das verliebte Meer drängt sichan ihn heran, umspielt und bespritzt ihn neckend, und umschlingt ihnmit seinen gewaltigen Wellenarmcn. Auf jenem weißen Felsen stehteine hohe Stadt, und dort, auf hohem Balkon, steht eine schöneFrau und spielt heitere Weisen auf der spanischen Guitarre.
Unter dem Balkon steht ein deutscher Dichter, und wie dieholden Melodien zu ihm hinab steigen, so accompagniert sie seineSeele unwillkürlich, und es dringen hervor die Worte:
„O, daß ich war" das wilde Meer,
Und du der Felsen drüber her —"
Unser deutscher Dichter hat aber diese Worte nicht gesungen, sondernbloß gedacht. Erstens fehlte es ihm an Stimme, zweitens war erzu blöde. — Als er am Abend die schöne Frau läugs der Meeres-küste spazieren führte, da war er ganz und gar stumm.
Die Wellen drängten sich wilder an die weiße Felsenbrust, undüber dem Wasser warf der Mond seinen langen Strahl, wie einegoldene Brücke nach dem Lande der Verheißung.
Zum Polterabend.
1.
Mit deinen großen, allwissenden Augen.
Schaust du mich an, und du hast recht:
Wie konnten wir zusammen taugen,
Da du so gut, und ich so schlecht!
Ich bin so schlecht und bitterblütig,Und Spottgeschcnkc bring' ich darDem Mädchen, daS so lieb und gütig,
Und ach! sogar aufrichtig war.
2.
O, du kanntest Koch und Küche,Loch und Schliche, Thür und Thor!Wo wir nur zusammen strebten,Kamst du immer mir zuvor.
Jetzt heiratest du mein Mädchen,Teurer Freund, das wird zu toll —Toller ist es nur, daß ich dirDazu gratulieren soll!