Buch der Lieder.
9.
Meeresstille.
Meeresstille! Ihre StrahlenWirft die Sonne auf das Wasser,
Und im wogenden GeschmeideZieht das Schiff die grünen Furchen.
Bei dem Steuer liegt der BootsmannAuf dem Bauch, und schnarchet leise.Bei dem Mastbaum, segelflickend,
Kauert der beteerte Schiffsjung'.
Hinterm Schmutze seiner WangenSprüht cS rot, wehmütig zuckt esUm das breite Maul, und schmerzlichSchaun die großen, schönen Augen.
Denn der Kapitän steht Nor ihm,
Tobt und flucht und schilt ihn: „Spitzbub',Spitzbub'! einen Hering hast duAus der Tonne mir gestohlen!"
Meeresstille! Aus den WellenTaucht hervor ein kluges Fischlein,
Wärmt das Köpfchen an der Sonne,Plätschert lustig mit dem Schwänzchen.
Doch die Möwe, aus den Lüften,
Schießt herunter auf das Fischlein,
Und den raschen Raub im SchnabelSchwingt sie sich hinauf ins Blaue.
10.
Seegcspenst.
Ich aber lag am Rande des Schiffes,Und schaute, träumenden Auges,
Hinab in das spiegelklare Wasser,Und schaute tiefer und tiefer —
Bis tief im Meeresgrunde,
Anfangs wie dämmernde Nebel,
Jedoch allmählich farbenbcstimmter,Kirchenkuppcl und Türme sich zeigten,Und endlich, sonnenklar, eine ganze Stadt,Altertümlich niederländisch,Und menschcnbelebt.
Bedächtige Männer, schwarzbemäntelt,