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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
112
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Buch der Lieder.

Ist Holz!" Und klanglos widrig lachte sie,Daß kalte Angst durch meine Seele rann,Und Zweifel mich ergriff: — sind das die keuschen,Die blnmenkenschen Lippen von Maria?

Sie aber hob sich in die Höh', nahm raschVom Stuhl den Kaschemir, warf ihnUm ihren Hals, hing sich an meinen Arm,Zog mich von hinnen durch die offne Hausthür,lind zog mich fort durch Feld und Busch und Au.

Die glühend rote Sonnenscheibe schwebteSchon niedrig, und ihr Purpur überstrahlteDie Bäume und die Blumen und den Strom,Der in der Ferne majestätisch floß.

„Sehn Sie das große goldne Auge schwimmenIm blauen Wasser?" rief Maria hastig.

„Still, armes Wesen!" sprach ich, und ich schauteIm Dämmerlicht ein märchenhaftes Weben.Es stiegen Nebelbilder ans den Feldern,Umschlangen sich mit weißen, weichen Armen.Die Veilchen sahn sich zärtlich an, sehnsüchtigZusammenbeugten sich die Lilicnkelche;

Auf allen Rosen glühten Wvllustgluten;

Die Nelken wollten sich im Hauch entzünden;In sel'gen Düften schwelgten alle Blumen,

Und alle weinten stille Wonnethränen,

Und alle jauchzten: „Liebe! Liebe! Liebe!"Die Schmetterlinge flatterten, die hellenGoldkäfer summten feine Elfeuliedchen,Die Abcndwinde flüsterten, es rauschtenDie Eichen, schmelzend sang die Nachtigall —Und zwischen all dem Flüstern, Rauschen, SingenSchwatzte mit blechern klanglos kalter StimmeDas welke Weib, das mir am Arme hing:„Ich kenn' ihr nächtlich Treiben auf dem Schloß,Der lange Schatten, ist ein guter Tropf,

Er nickt und winkt zu allem, was man ivill;Der Blaurock ist ein Engel; doch der RoteMit blankem Schwert ist Ihnen spinnefeind."Und noch viel buntre, wunderliche RedenSchwatzt' sie in einem fort, und setzte sichErmüdet mit mir nieder auf die Movsbank,Die unterm alten Eichenbaume steht.

Da saßen wir beisammen, still und traurig,Und sahn uns an, und würden immer tranr'ger.